Reden müssen von Regina Denk

von Petra

Miteinander zu reden ist eine meiner liebsten Formen der Kommunikation. Ich liebe es, mich mit anderen zu unterhalten, hinter Fassaden zu blicken und neue Sichtweisen kennenzulernen. Gespräche können verbinden, öffnen, manchmal auch verändern. Und gleichzeitig weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn genau das nicht funktioniert. Wenn Worte weh tun, wenn Sprachlosigkeit entsteht, wenn Missverständnisse sich festsetzen und sich nicht mehr so leicht aus dem Weg räumen lassen.

Ich kenne Situationen, in denen über Gefühle nicht gesprochen wird. In denen Dinge unausgesprochen bleiben, Menschen vieles mit sich selbst ausmachen oder übereinander statt miteinander reden. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Regina Denk, deren Roman „Die Schwarzgeherin“ ich bereits hier besprochen habe, in ihrem Essayband „Reden müssen“.

Sie schreibt über Kommunikation in einer Zeit, in der wir zwar ständig miteinander verbunden sind, aber oft verlernen, wirklich miteinander zu sprechen. Über Social Media, über die Bedeutung der ersten Worte, über das, was zwischen den Zeilen passiert. Und darüber, warum es so wichtig ist, dass wir wieder lernen, einander zuzuhören und uns wirklich auszutauschen.

Sprache ist das, was uns zusammenhält, was uns im besten Fall eint und verbindet, was uns im schlimmsten Fall entzweit.

Besonders spannend fand ich ihre Gedanken zu den Generationen vor uns. Zu Menschen, die vielleicht nie gelernt haben, über Wünsche, Sehnsüchte oder Gefühle zu sprechen. Die ihr Innenleben eher geschützt als geteilt haben. Dieses Bild der „harten Schale“ zieht sich durch den Text und hat mich an vielen Stellen sehr nachdenklich gemacht, kenne ich es auch selbst aus meiner eigenen Familie. So schreibt die Autorin sehr treffend:

„Sie war und ist nicht die einzige harte Nuss in meiner Familie. Bis heute sind wir eine Nussfamilie, alle ungeknackt. So habe ich früh gelernt nicht zu reden, sondern zu raten. Was könnte wichtig sein? Was könnte man wollen, von mir, von der Welt, vom Leben?“

Dieses Gefühl, Dinge eher zu erspüren als auszusprechen. Zwischen den Zeilen zu lesen, weil das Offensichtliche fehlt. Und gleichzeitig die Sehnsucht danach, dass Kommunikation leichter, klarer und ehrlicher sein darf.

„Reden müssen“ ist kein Ratgeber, der Antworten liefert oder klare Lösungen vorgibt. Vielmehr ist dieser Essayband eine Einladung, das eigene Kommunikationsverhalten zu hinterfragen. Sich bewusst zu machen, wie man selbst spricht, zuhört oder eben auch schweigt. Und vielleicht auch zu erkennen, wo man sich selbst zurückhält, statt sich wirklich zu zeigen.

Ein Satz ist mir dabei besonders hängen geblieben:

„Damit hoffentlich die, die nach uns kommen, nicht mehr nur sich selbst reden hören, sondern auch wieder die anderen. Denn das lohnt sich immer.“

Ein leiser, aber sehr kraftvoller Gedanke. Für mich ist dieser Essayband genau das: ein Impuls. Ein Text, der nachwirkt und der dazu einlädt, innezuhalten und genauer hinzuhören, sowohl bei sich selbst als auch bei anderen.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für Kommunikation interessieren. Und vielleicht auch für alle, die spüren, dass da noch mehr möglich ist zwischen dem, was gesagt wird und dem, was eigentlich gemeint ist.

>> Reden müssen von Regina Denk – Wasser Publishing – ISBN 978-3-903618-10-7 – 22,50 Euro

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