Was macht diese Frage mit dir? Als ich sie in einem Buch gelesen habe, hatte ich zuerst einmal gemischte Gefühle. Warum soll man sich denn immer wieder neue erfinden, alles umwerfen, ändern, anders machen? Und dann las ich dennoch sehr interessiert. Das Buch, in dem diese Frage stand, liebe ich sehr. Ich habe es schon mehrmals gelesen, weil ich immer wieder kluge Gedanken darin finde und möchte das heute unbedingt mit dir teilen.
Die Rede ist von “Erzähl dein Leben neu – Wie Storytelling dir zeigt, wer du wirklich bist” von Rebecca Vogels (Knaur). Darüber habe ich übrigens auch auf dem Blog geschrieben. Den Beitrag kann man hier nachlesen.
Die Unternehmerin ist Expertin im Bereich Storytelling, Keynote Speakerin und schreibt u.a. für Forbes, t3n und HuffPost. Storytelling kann man für vieles nutzen. Nicht nur um Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, sondern auch um herauszufinden, wie die Geschichte des eigenen Lebens aussehen soll.
Bevor man neu anfängt, ändert man seine Story
Laut Autorin ändert man seine Story nie, wenn man einen Job kündigt, sich trennt, ein Haus kauft, eine neue Beziehung eingeht. Eine Story ändert man immer schon davor.
Dieses Phänomen – Story ändern und dann Leben ändern – trifft auf viele Lebenssituationen zu. Die Psychologin Diane Vaughan erforschte beispielsweise was passiert, wenn Menschen zusammen sind und sich trennen. Und das Ergebnis ist, dass lange bevor Menschen sich trennen, diese beginnen ihre Geschichte neu zu schreiben.
In einer Partnerschaft hat man eine gemeinsame Story. Beginnt man sich von dieser zu lösen, dann wird aus “unserer Story” irgendwann “meine Story”. Ein Prozess, der ganz oft sogar unbewusst abläuft, weil wir anfangen uns in eine andere Richtung zu entwickeln und dann irgendwann eine Entscheidung treffen.
Vogels schreibt, dass wir Autorinnen unserer eigenen Geschichte sind. Wir haben nämlich die Möglichkeit unser Leben zu planen, als wäre es eine Geschichte und dann zu entscheiden, wie wir leben wollen. Doch vor der Entscheidung steht immer die Story.
Selbst wenn wir uns in Krisensituationen befinden und unsere Möglichkeiten eingeschränkt sind, können wir immer noch bestimmen, wie unsere Reaktion ausfällt und wir wir diesen Moment in unserer Lebensgeschichte gestalten wollen.
Wie können wir Neues in unser Leben lassen? Wie finden wir Inspiration in unserem Leben? Woher wissen wir, was der nächste Schritt ist? Was können wir machen, wenn wir nicht mehr weiterkommen? Wie finden wir den Mut zu springen?
Das Lunch-Talk-Prinzip
Ein Lunch-Talk ist eine Eventreihe, zu der Menschen von außerhalb eingeladen werden, um einen Vortrag zu halten. Die Idee dahinter ist, dass man Leute dazuholen möchte, die eine neue Perspektive und andere Gedanken mitbringen. Events dieser Art gibt es auch in deutschen Unternehmen. Manchmal unter anderem Namen, aber immer mit dem selben Prinzip. Eine neue Perspektive auf die Dinge, an denen man arbeitet, kann oft zum entscheidenden Durchbruch führen.
Ein solches Prinzip kann man aber auch für sein eigenes Privatleben einführen. Wie aber kann man die Dinge, die einen selbst bewegen, nochmal aus einer anderen bislang unbekannten Betrachtungsweise wahrnehmen?
Beispielsweise durch spannende Podcastfolgen, aber auch, in dem du diese Zeilen hier liest. Durch Online-Kurse, durch gute Instagram-Beiträge, Youtube Videos oder eine gute Doku, die dich zum Nachdenken anregt.
Wir müssen es auch nicht unbedingt dem Zufall überlassen und darauf hoffen, dass wir irgendwann mal eine inspirierende Podcastfolge entdecken. Nicht jede Folge, nicht jedes Buch wird unser Leben bereichern. Indem wir aber bewusst neue “Stimmen” in unser Leben lassen, haben wir die Möglichkeit, einen ganz anderen Blick auf unsere eigene Lebensgeschichte zu werfen.
Fotocredits: Kelly Sikkema via Unsplash.com
Wie kann man das Lunch-Talk-Prinzip im eigenen Leben umsetzen? Die Ideen der Autorin lauten wie folgt:
- Nimm dir pro Woche eine Stunde Zeit. Zum Beispiel in deiner Mittagspause oder am Wochenende.
- Überlege dir, welche Themen und Fragen dich gerade beschäftigen. Erstelle eine Liste mit diesen Themen.
- Benutze YouTube oder Podcast-Apps und suche gezielt nach den Themen auf deiner Liste. Vielleicht findest du eine gute Folge oder ein passendes Video dazu. Protipp: Suchst du ein gutes Buch zu einem Thema, dann schreib mir gern. Vielleicht kann ich dir ja etwas empfehlen.
- Jetzt das besondere: Geh nicht nur auf die Ergebnisse, die dich sofort ansprechen, sondern klicke auch Dinge an, die du eigentlich eher nicht anklicken würdest. Das gibt dir die Möglichkeit, neue Sichtweisen auf das eigene Leben zu bekommen.
Letztlich geht es darum, dass wir neue Sichtweisen auf verschiedene Themen bekommen und Neues entdecken. Das gelingt in der Regel aber nie, wenn du dich fragst “Was passt zu mir?”, sondern eher, wenn du dich fragst “Was ist neu für mich?”
Heutiger Impuls: Überlege dir, welche Gespräche du tagsüber geführt hast, welche Artikel du gelesen hast, welche Dinge dir begegnet sind. Was davon fandest du interessant? Über welche Fragen hast du noch länger nachgedacht? Diese Übung wird immer einfacher, je länger du sie machst. Ziel ist es, dass du nach ein paar Tagen nicht erst abends, sondern im Laufe des Tages immer wieder merkst: Oh, das ist ja interessant. So kannst du immer genauer überlegen, was du aus diesen Anregungen für dein Leben mitnehmen möchtest. |
Die besten Ideen kommen dann, wenn man nicht damit rechnet
Routine ist hinderlich für gute Ideen. Immer wenn du mit einer kreativen Aufgabe oder einem Problem nicht weiterkommst, solltest du aus deiner Routine ausbrechen.
Ebenso hilfreich ist Bewegung. Beim Gehen kommen die Gedanken manchmal ganz von alleine.
Man hat bessere Ideen, wenn man die gewohnte Umgebung verlässt und aus dem Alltagstrott im Büro ausbricht.
Wenn wir im Urlaub sind, dann merken wir sofort wie es sich anfühlt, nicht mehr im Hamsterrad gefangen zu sein. Wir verlassen unsere gewohnte Umgebung, unterbrechen gewohnte Routinen, leben einen anderen Tagesablauf, haben andere Erlebnisse. Hier schaffen wir es quasi mühelos unser Leben neu zu erfinden, Ideen zu sammeln, Pläne zu schmieden und genau das auch zu genießen.
Wie wäre es, wenn man dieses Urlaubserlebnis auf unsere eigene Geschichte übertragen könnte? Wie können wir im Alltag die gewohnten Routinen durchbrechen?
- Sei Touristin in deiner eigenen Stadt, erkunde neue Stadtviertel oder den Nachbarort.
- Gehe nicht immer in dein Stammcafé, sondern ganz bewusst einmal dorthin, wo du noch nie warst. Bestelle Dinge, die du noch nie bestellt hast.
- Leihe dir Klamotten von einer Freundin und trage sie.
- Verabrede dich mit einer Kollegin oder einem Kollegen zum Mittagessen, mit dem du bisher noch nicht so viel zu tun hattest.
- Suche dir einen ganz neuen Podcast, den du bisher noch nicht gehört hast.
- Kaufe dir eine Zeitschrift oder ein Buch, das nichts mit deinem Leben zu tun hat und vielleicht auch gar nicht deinen üblichen Interessen entspricht.
Sei kreativ, ändere deine Routine und entwickle neue Ideen für dein Leben.
Genieße die Zwischenmomente in deinem Leben
In der Schlange beim Bäcker, während dem Geschirrspülen, beim Spaziergang, unter der Dusche, beim Kartoffel schälen. All diese kleinen Momente sind die Zwischenmomente, von denen die Autorin in ihrem Buch schreibt. Sie plädiert dazu, diese zu genießen, denn leider sind sie eher unterschätzt. In diesen Zwischenmomenten passiert so viel und wüssten wir das mehr zu schätzen, dann wären wir bemüht, sie auch bewusst in unser Leben zu holen.
Ich kenne diese Momente. Bin ich nicht kreativ, dann muss ich unter die Dusche. Die besten Ideen kommen mir immer dort. Warum das so ist, ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Die Kombination von Wasser, Entspannung und Langeweile ist die, die uns die Ideen beschert. Wenn wir nämlich an nichts denken, dann haben wir die besten Ideen.
Die Autorin schreibt: “Das Spannende an diesen Momenten ist, dass sich durch sie unser Blick auf unsere Story plötzlich verändert. Normalerweise hängen wir mitten in ihr, wir sind Teil davon, wir sind unsere Story. Aber in manchen Augenblicken, wenn wir nicht darüber nachdenken, beim Rauchen oder beim Geschirrspülen, treten wir einen Schritt zurück. Wir sehen die Dinge auf einmal aus einer Distanz. Einer, die wir brauchen um die Dinge überhaupt erst zu erkennen. Wie weit können wir uns entfernen? Wie nah lassen wir die Dinge an uns heran? Wie flexibel können wir zwischen Nähe und Ferne wechseln? Gerade in den Zwischenmomenten unseres Lebens (und manchmal wirklich nur für einen Moment) eröffnen sich für uns neue Perspektiven.”
Wie soll deine Story aussehen?
Ich freue mich, wenn ich dir mit der heutigen Ausgabe ein wenig Inspiration geliefert habe und du demnächst etwas Neues probierst. Wenn du das nächste Mal Kartoffeln schälst oder spazieren gehst, dann wirst du vielleicht an mich denken. Genieße diese Zwischenmomente und nimm wahr, was dir in den Sinn kommt.
Ich wünsche dir einen wunderbaren Mittwoch, gute Momente, Gespräche, spannende Perspektiven und Zeit für die kleinen Besonderheiten des Alltags.
Alles Liebe,
Petra