8. Dezember: Warum ein freundliches Miteinander alles verändert.

von Petzi

Wusstest du, dass es dich glücklich macht, wenn du freundlich bist? Wahrscheinlich hast du das selbst schon bemerkt. Ich bin mir sehr sicher, dass ihr hier alle eine ebenso empathische und wohlwollende Einstellung habt. Wäre es anders, würdet ihr euch von meinen Texten nicht angesprochen fühlen. Dennoch haben wir alle schlechte Tage, auch mal miese Laune und sind vielleicht nicht so freundlich, wie wir es uns wünschen würden.

Freundlichkeit ist ein einfaches Mittel um sich selbst und andere zu erfreuen, der eigenen psychischen Gesundheit etwas Gutes zu tun und die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Claudia Hammond ist Dozentin für Psychologie an der Boston University in London und hat mit dem Buch “Miteinander – Wir wir freundlicher zu anderen und uns selbst werden” (Ü: Silvia Morawetz und Theresia Übelhör) (DuMont Verlag) ein so wichtiges und gutes Buch zu diesem Thema geschrieben.

Es gibt mehr Freundlichkeit, als wir denken

Der amerikanische Psychologe Martin Seligmann hat gezeigt, dass das Wohlbefinden der Menschen schrittweise steigt, wenn sie sich abends vor dem Zubettgehen drei positive Dinge des Tages notieren. Nicht nur wegen dem bewussten Revue passieren lassen des Tages, sondern weil dieses Festhalten bald schon zur Gewohnheit wird und man den Tag über aktiv nach den guten Dingen sucht.

Ebenso verhält es sich mit der Freundlichkeit. Achten wir bewusst darauf, dass wir zu anderen Menschen freundlich sind, fällt uns selbst viel eher auf, mit welcher Freundlichkeit wir umgeben sind.

Heutiger Impuls: Die Autorin führte für ihr Buch ein einfaches Experiment durch. Statt einem Dankbarkeits-Tagebuch schrieb sie das Tagebuch der Freundlichkeit. Darin notierte sich sich alle guten Taten, die sie bewusst wahrgenommen hat. Ob bei anderen Menschen oder sich selbst. Und sie bemerkte erstaunlicherweise, dass sie wirklich jeden Tag das Gute fand. Willst du es auch mal probieren?

Freundlich sein fühlt sich richtig gut an

Die Autorin schreibt: “Wer mitfühlend handelt, tut etwas für andere, aber auch für sich selbst. Die Stärkung der Gesundheit, der psychischen wie der körperlichen, ist messbar. Freundliches Handeln wirkt wie ein Schutzschirm gegen Burnout und Stress – und steigert das eigene Wohlbefinden. Es macht uns glücklich und kann lebensverlängernd wirken.”

Das allein sollte doch schon Grund genug sein, sich damit eingehend zu befassen, oder nicht? Freundlichkeit kann übrigens auf viele unterschiedliche Arten gezeigt werden. Eine Spende an einen gemeinnützigen Verein ist es ebenso, wie vielleicht sogar selbst ehrenamtlich aktiv zu werden. Anderen Menschen freundlich entgegenzutreten und hilfsbereit zu sein ist eine ebenso wertvolle Geste, wie die gestresste Mitarbeiterin im Laden mit einem Lächeln aufzumuntern.

“Wert und Sinnhaftigkeit einer freundlichen Handlung sowie die Verbindung, die diese zwischen uns und der empfangenden Person schafft, beeinflussen ebenfalls, wie viel Auftrieb wir selbst später spüren.”

Freundlich sein ohne besondere Beweggründe

Wir praktizieren alle ganz unverhohlen das, was als reziproker Altruismus bezeichnet wird. Wir tun einem anderen Menschen einen Gefallen in der Hoffnung, dass dieser Gefallen später einmal erwidert wird.

Die Autorin schreibt beispielsweise, dass sie sich aus mehreren Gründen bemüht ein freundlicher Mensch zu sein. Teilweise, weil sie ein guter Mensch ist, teilweise, weil sie sich gut dabei fühlt und teilweise aber auch, weil sie hofft, dass die Menschen zu denen sie freundlich ist ihr ebenso Freundlichkeit entgegenbringen oder sie vielleicht auch einmal unterstützen.

Der Dalai Lama schreibt übrigens auch über die Momente, in denen es uns schlecht geht.

“In solchen Momenten erfahren wir, welche Menschen uns wirklich helfen und auf welche wir verzichten können. Um uns auf solche Momente vorzubereiten und wahre Freunde zu finden, die uns in Krisensituationen helfen, müssen wir Altruismus praktizieren.”

Zusammenfassend kann man folgendes sagen: “Es gibt keinen Grund dafür Freundlichkeit danach zu bewerten, was eine Person, die Gutes tut, gibt und was sie bekommt. Freundlich zu sein heißt immer, auf etwas zu verzichten und etwas dafür zu gewinnen. Im realen Leben ist Freundlichkeit fast immer ein Fall von Win/Win und keine Nullsumme.”

“Wir haben also alle viel zu gewinnen, wenn wir uns bemühen, mehr Freundlichkeit in die Welt zu tragen.”

Fotocredits: Alex Padurariu via Unsplash.com

Freundlichkeit in den sozialen Medien

Im ersten Moment wirst du über diese Zeile vielleicht ein wenig nachdenken. Das Netz ist ja nicht selten ein Ort, in dem anonyme Kommentare, Hass, Hetz und Beleidigungen unterwegs sind. In dem Shitstorms Menschenleben zerstören und Mobbing an der Tagesordnung liegt.

Doch wie immer ist es eine Sache der Perspektive. Würde es das Internet nicht geben, hättest du mich höchst wahrscheinlich nie entdeckt. Du würdest dieses Zeilen gar nicht erst lesen. Vielleicht hättest du bestimmte Freundschaften nie geschlossen oder andere Dinge nicht erreicht, die das Internet möglich macht.

Das Internet ist nicht immer ein guter Ort, aber es liegt oft auch in unserer Hand das zu ändern. Wir entscheiden welchen Seiten wir folgen, mit wem wir Kontakt aufrecht erhalte, wen wir blockieren, mit welchen Inhalten wir uns berieseln lassen. Und ganz häufig ist da sehr viel Gutes dabei.

Freundliche Führungskräfte verändern ein Unternehmen

Freundlichkeit wird bei der Arbeit geschätzt. Umso trauriger ist es, dass diese nicht unbedingt der Norm entspricht. Eine repräsentative Umfrage in Großbritannien ergab beispielsweise, dass nur ein Drittel der Mitarbeiter der Meinung waren, dass ihre Vorgesetzten freundlich sind. Und nur ein Viertel hielt die jeweiligen Chef:innen des gesamten Unternehmens für freundlich. Da ist noch Luft nach oben, oder?

Das ist besonders fatal, da die Angestellten mit den freundlichen Vorgesetzten angaben, dass sie mindestens noch ein weiteres Jahr im Unternehmen bleiben möchten, weil sie die Atmosphäre schätzen. Sie waren zudem eher davon überzeugt, dass das ganze Team tolle arbeitet leistet.

Sicherlich kann man nicht pauschal ableiten, dass es einem Unternehmen gut geht, wenn die Führungskraft freundlich ist. Dennoch ist es ein wesentlicher und wichtiger Faktor, der nicht zu verachten ist. Hohe Fluktuation unter den Mitarbeiter:innen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Freundlichkeit im Miteinander trägt zu einer besseren Leistung und höheren Produktivität bei.

Hammond betont im Buch: “Eine freundliche Führungskraft zu sein ist nicht dasselbe, wie eine lasche Führungskraft zu sein.” Die Aufgabe ist es ein Umfeld zu schaffen, in dem die Mitarbeitenden das Beste aus sich herausholen können, in dem diese die Freiheit haben, so zu arbeiten, wie es ihnen am besten entspricht. Zahlreiche Studien bestätigen, dass mehr Autonomie am Arbeitsplatz zu höherer Produktivität und Arbeitszufriedenheit führt.

Die freundliche Person geht am Ende sehr oft als Sieger hervor.

Freundlichkeit bedeutet, den Standpunkt anderer zur Kenntnis zu nehmen

Viele von uns werden ganz selbstverständlich sagen, dass sie die Sichtweise anderer Menschen kennenlernen möchten. Ein jeder Mensch hat doch das Recht auf seine Meinung, oder etwa nicht? Begegnen wir dann aber einer Person, mit deren Ansichten wir überhaupt nicht übereinstimmen, haben wir sehr große Mühe diesen Standpunkt wirklich aufrechtzuhalten.

Insbesondere in den sozialen Medien fällt es vielen daher besonders leicht, auf die Meinungen anderer verärgert zu reagieren. Wie aber würde man reagieren, wenn der Beitrag von einer befreundeten Person stammt? Vermutlich deutlich gemäßigter. Was also spricht dagegen, das zuerst einmal auch bei fremden Menschen zu versuchen?

Paul Gilbert, ein Psychologe der University of Derby hat nachgewiesen, dass passive Techniken – also sich einfach in die Position einer Person zu versetzen, deren Ansichten man ablehnt – selten dazu führen wird, die Meinung über diese Person zu ändern. Viel erfolgreicher ist es dagegen, wenn man versucht sich in die Denkweise der anderen Person hineinzuversetzen. Indem wir aktiv versuchen Argumentationslinien zu entwickeln, die eine andere Person zu Erklärung ihrer Ansichten verwenden würde.

Man nennt das auch “Perspektivübernahme” und wird dazu verwendet, das Verständnis zwischen Menschen zu verbessern, die diametral gegensätzliche politische Parteien wählen, und um für die Eintracht zwischen Gruppen zu sorgen, die die sozialen Aktivitäten der jeweils anderen stark missbilligen.

Die Autorin schreibt in ihrem Buch sehr ausführlich über dieses Thema und das dazugehörige Kapitel ist äußerst lesenswert. Man kommt am Ende nämlich nicht umhin sich zu fragen, ob es wirklich so einfach ist. Es ist nicht leicht sich in eine Person einzufühlen, deren Meinung man überhaupt nicht teilt und manchmal kann es sogar dazu führen, dass man die eigene Ansicht noch mehr verfestigt und – schlimmer noch – die Abneigung gegen die andere Person noch stärker wird.

Wenn die Kluft zu groß ist, dann ist die Verwendung der Perspektivübernahme nicht immer das Mittel der Wahl. Wenn wir nämlich immer überzeugter davon werden, dass wir nichts gemeinsam haben, wird sich das Gefühl des Distanz und Abneigung nur verstärken.

“Weil es schwer ist, Mitgefühl zu empfinden, es aber so wichtig ist, dass wir es tun, müssen wir anfangen, Empathie als eine Fähigkeit zu betrachten, die man erlernen und verbessern kann, wie das Kochen oder Autofahren.”

Die Fähigkeit sich in andere Menschen einzufühlen ist nämlich nicht angeboren und auch nicht unveränderlich. Je mehr wir daran arbeiten empathisch zu sein, umso empathischer können wir werden.

Denn am Ende ist es wirklich so: Mehr Empathie führt zu mehr freundlichen Taten. Und deshalb lohnt es sich sehr, daran zu arbeiten.

Freundlichkeit ist nicht nur für andere Menschen gedacht

Selbstkritik ist in einem gewissen Maß gesund und normal. Würden wir alles gut finden was wir tun, dann würden wir nichts dazulernen und als Mensch nicht wachsen. Schwierig wird es jedoch, wenn wir übermäßig selbstkritisch sind.

Menschen die mit Selbstmitgefühl ein Problem haben, empfinden mehr Scham, Kummer, Angst und Depressionen, als die, die freundlich zu sich selbst sind. Wer bereits an Depressionen leidet, kann durch mangelhaftes Selbstmitgefühl sein Leiden sogar noch verstärken.

Wer freundlich mit sich selbst ist, der hat laut Studien eine höhere Lebenszufriedenheit und bessere Werte in Sachen Wohlbefinden. Und zudem stellen diese Menschen auch im Alltag mehr Freundlichkeit fest und geben an, dass ihnen selbst mehr Freundlichkeit zuteil wurde. Ein weiterer positiver Faktor ist, dass diese Menschen weniger zum Grübeln neigen, weniger an übermäßigem Perfektionismus und weniger Angst haben, zu versagen.

Es ist daher sehr besorgniserregend, dass insbesondere Frauen im Durchschnitt zwar ein höheres Maß an Mitgefühl haben, jedoch nicht sich selbst gegenüber.

“Menschen können zu anderen freundlicher sein, wenn sie anfangen, zu sich selbst freundlicher zu sein.”

Im buddhistischen Denken geht es beim Thema Mitgefühl mit sich nicht nur darum, freundlich auf sich selbst zu schauen. Es heißt:

“Im Lauf eines Lebens müssen wir Kämpfe austragen und Schmerzen durchstehen. Und wir müssen uns darüber klarwerden, dass dies Erfahrungen sind, die wir mit allen anderen Menschen teilen. Indem Sie Ihr eigenes Leiden anerkennen, erkennen Sie das Leid der gesamten Menschheit an. So gesehen ist es ein erster wichtiger Schritt, sich selbst gegenüber Wärme, Zärtlichkeit und Verständnis zu zeigen, um auch anderen Menschen dieses Mitgefühl entgegenzubringen.”

“Betrachte dich so, wie es jemand tut, der dich wirklich liebt.” – Nikita Gill

Freundlichkeit lohnt sich

Warum Freundlichkeit so wunderbar und wertvoll ist, hast du heute nochmal gelesen. Das Thema ist aber so umfassend und wichtig, dass man es kaum in so wenige Zeilen zusammenfassen kann.

Es lohnt sich tagtäglich am gemeinsamen Miteinander zu arbeiten und freundlich zu sein. Und das ganz besonders auch zu sich selbst. Ich wünsche dir daher heute einen wunderbaren 2. Adventssonntag mit ganz vielen Momenten, die dein Herz zum Strahlen bringen.

Alles Liebe,

Petra

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