7. Dezember: Bin ich die Komponistin meines Lebens oder nur die Dirigentin?

von Petzi

Manchmal liest man diese Bücher, in denen man jeden zweiten Satz unterstreicht. Bücher, die mit Worten begeistern, die ein Stück weit sogar das eigene Leben auf den Kopf stellen.

So ging es mir, als ich das Buch “Der Trost der Schönheit” von Gabriele von Arnim (Rowohlt) verschlang.

In diesem Buch schreibt sie darüber wie es ist, sich selbst wieder zu finden. Sie schreibt darüber, dass Trost nicht heißt, dass alles gut wird. Ihre Definition von Trost ist viel mehr dieser: “Trost heißt, am Schmerzfluss ein Ufer zu bauen, Liegeplätze, an denen man den Kahn anbinden, aussteigen und sich ausruhen kann.”

Der Satz den ich für die heutige Überschrift gewählt habe, der ist dick und fett in diesem Buch markiert. Sie stellt sich selbst diese Frage. Sie schreibt: “»Erkenne dich selbst«, heißt es auf dem Tempel des Apollon in Delphi. Ein Satz, in dem die Hoffnung atmet, dass, wer sich selbst aufrichtig sieht, in der Welt aufrichtiger handelt. Ein großes Dekret, denn es ist immer wieder ein Wagnis, wirklich wissen zu wollen, wer ich bin, was ich will, was ich brauche und warum und welches Was mich braucht.”

Lange habe ich darüber nachgedacht, wie ich diesen Satz für mich interpretiere. Ihr Buch ist kein Ratgeber oder eine Anleitung dafür, wie man handeln und leben soll. Es ist eher eine persönlicher Erfahrungsbericht einer weisen Frau, die auf ihr Leben zurückschaut.

Fotocredits: Sixteen Miles Out via Unsplash.com

Wie kann ich mein Leben in die Hand nehmen?

Eine Frage, der sich auch der Autor Jorge Bucay in seinem Buch “Selbstbestimmt leben – Wege zum Ich” (Ü: Lisa Grüneisen) (Fischer Verlag) annimmt.

Er schreibt: “Selbsterkenntnis heißt vor allem, mich mit mir selbst auseinandersetzen, um herauszufinden, wer ich bin, wo meine Stärken und meine Schwächen liegen, was ich mag und was ich nicht mag, woran mir etwas liegt und woran nicht.”

Bewusst-Sein

Wenn ich mich selbst erkennen möchte, dann muss ich zuerst beginnen mich mit einem unvoreingenommenen Blick zu betrachten. Ganz ohne Vorurteile oder vorgefasste Meinung. Wenn ich dauerhaft allzu kritisch auf mich selbst schaue und mich verurteile, dann wird es niemals gelingen mich selbst zu finden.

Bist du auch eine Person, die eigene Handlungen oder Denkweisen mit Phrasen wie:

  • “Mein Gott, bin ich doch blöd.”
  • “Wie konnte ich nur so doof sein.”
  • “Ich hätte doch merken müssen, dass…”
  • “Warum bin ich denn nicht auf die Idee gekommen, dass…”

verurteilt?

Doch warum tun wir das? Würden wir so auch mit unserer Freundin sprechen? Burcay ruft dazu auf umzudenken. Wäre es nicht deutlich angenehmer, wenn wir mit einem wohlwollenden und achtsamen Blick auf uns schauen und beispielsweise etwas sagen wie “Ich habe mich geirrt. Nächstes Mal versuche ich, es besser zu machen”.

Paradoxerweise wäre nämlich genau dann die Chance groß, dass sich wirklich etwas ändert. Niemand verändert sich, weil es von ihm verlangt wird. Niemand wächst unter Druck.

Die Wahrheit ist, dass wir für den Rest unseres Lebens mit uns zusammenleben müssen. Ob es uns gefällt oder nicht. Wäre es da nicht sinnvoller, dass wir es uns so angenehm wie möglich gestalten?

Hast du schon einmal über die Frage nachgedacht, was wirklich das Beste für dich ist?

Der Autor schreibt in seinem Buch aber auch ganz deutlich: “Der Versuch, sich selbst zu verändern, ist nicht konstruktiv. Es ist der falsche Ansatz, ein Irrweg, ein Schritt in die falsche Richtung. Der Weg zur Selbsterkenntnis beginnt damit, dass ich mich so akzeptiere, wie ich bin, und davon ausgehend daran arbeite, herauszufinden, wie ich am besten mit mir klarkomme, wie ich es es anstelle, auf eine bessere Weise ich selbst zu sein – fall ich gerne besser wäre. Ohne darüber zu vergessen, dass es gut so ist, wie ich bin, und es in jedem Fall von Vorteil ist, wenn ich an dieser Veränderung teilhaben kann.”

“Manchmal besteht die Veränderung darin, einen Weg einzuschlagen, den zuvor noch nie jemand gegangen ist.”

Heutiger Impuls: Der Autor schreibt in seinem Buch, dass viele Menschen sich selbst nicht gut kennen. Er plädiert darauf sich selbst zu beobachten – nicht immer und zu jederzeit, aber immer wieder. Wie bin ich, wenn ich alleine bin? Wie bin ich in Interaktion mit anderen Menschen? Wie bin ich, wenn ich morgens aufwache? Wie bin ich in schweren und guten Momenten? Ich sollte die guten und die schlechten Seiten an mir kennen, ich sollte wissen, wie ich mit mir selbst und anderen umgehe. Das gelingt mir durch Zuhören. Ist etwas Wahres daran, was Freunde oder der Partner/Partnerin zu mir sagt? Man muss nicht jede Beobachtung hinnehmen, aber manchmal lohnt es sich zu fragen, ob etwas Wahres dran ist und wir es selbst auf den ersten Blick nur nicht erkennen können.

Innere Ressourcen

Mit der eigenen Selbsterkenntnis beginnt Wachstum. Doch ich muss auch in der Lage sein meinen Standpunkt vertreten zu können. Wenn ich mich selbst verleugne, keine Entscheidungen treffen möchte und es allen anderen dauerhaft recht machen will, dann kann ich mich nicht selbst behaupten.

Wir sollten den Mut haben die Person zu sein, die wir sind.

Denn wenn es uns nicht gelingt für uns einzustehen, sondern nur im Becken unauffällig mit zuschwimmen, dann werden wir die Eingangsfrage wohl ganz einfach beantworten können. Dann sind wir die Dirigentin, die das Lied dirigiert, welches jemand anderes für uns komponiert hat.

Wollen wir das wirklich?

Was willst du wirklich?

Vielleicht hast du heute oder in den kommenden Tagen Zeit, dir über diese Frage Gedanken zu machen. Möglicherweise ist dein Leben bereits jetzt perfekt, aber vielleicht schlummert da auch noch etwas anderes, das du bisher aus unterschiedlichsten Gründen verdrängt hast.

Vielleicht gibt es die Möglichkeit, sich diesem Traum ein Stück weit zu nähern und das Lied deines Lebens Stück für Stück neu zu komponieren.

Hab einen wunderbaren Samstag.

Alles Liebe,

Petra

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