In der letzten Ausgabe habe ich darüber geschrieben, wie es gelingen kann eine vertrauensvollere und lebendigere Beziehung zu führen. Heute möchte ich darüber schreiben, wie man erkennen kann, wenn eine Beziehung schädlich für einen selbst ist und wie man sich daraus am besten befreit. Dabei geht es nicht nur um die partnerschaftliche Beziehung, sondern auch um Freundschaften oder andere Kontakte, die uns nicht gut tun. Manchmal erkennen wir nicht, dass eine Beziehung in die falsche Richtung läuft und uns das Miteinander gar nicht gut tut. Ein anderes Mal ist es uns vielleicht bewusst, aber wir schaffen es dennoch nicht klar Grenzen zu setzen. Der heutige Beitrag kann hier vielleicht ein wenig Klarheit bringen.
Wenn du dir nun einige Minuten Zeit nimmst und an die Menschen denkst, mit denen du im Alltag am häufigsten zu tun hast (Partner, Freunde, Kolleg:innen usw.) fallen dir dann Menschen ein, die immer mal wieder deine Nerven strapazieren? Menschen, die deine Energiereserven entladen und bei denen du nach Kontakt oder einem Treffen erst einmal eine Pause brauchst? Gibt es Menschen, die ständig im Mittelpunkt stehen müssen und wenig Interesse daran haben, wie es dir wirklich geht? Menschen, die in stundenlange Monologe über sich selbst verfallen?
Während gesunde Beziehungen uns stärken und aufblühen lassen, können toxische Beziehungen lang anhaltende Spuren in unserer Psyche hinterlassen. Umso wichtiger ist es daher, diese Beziehungen zu identifizieren und die Dynamiken dahinter zu erkennen. So kann man entweder bewusst die Entscheidung treffen, eine Beziehung zu beenden oder deren Wichtigkeit neu priorisieren. In ihrem Buch “Immun gegen toxische Menschen” widmen sich die beiden Psychologinnen Lisa Irani und Anna Eckert (GU Verlag) genau diesem Thema und geben Tools an die Hand, wie der Umgang mit Menschen gelingt, die narzisstische Tendenzen haben oder einem einfach nicht gut tun.
Was sind toxische Beziehungen?
Von einer toxischen Beziehung spricht man dann, wenn eine Beziehung von Manipulation, Kontrolle, unlösbaren Konflikten, permanenter Unsicherheit oder mangelnder Unterstützung geprägt ist. Beziehungen dieser Art hinterlassen häufig ihre Spuren und bringen unsere Gefühlswelt ins Wanken. Häufig werden die Zeichen einer toxischen Beziehung erst mit der Zeit deutlicher und als solche von den betroffenen Personen oft nicht oder erst sehr spät erkannt. Die Formen dieser Verbindungen sind ganz unterschiedlich und können nicht nur romantische Beziehungen betreffen, sondern auch Freundschaften, unseren Arbeitsplatz oder auch familiäre Bindungen.
Die beiden Autorinnen bezeichnen Menschen dieser Art als “emotionale Grippe”, die das psychische Immunsystem sehr stark herausfordert und dessen Widerstandskraft auch Stück für Stück schwächen kann.
Der Unterschied zwischen toxischem und normalen Verhalten liegt darin, dass Auseinandersetzungen entweder destruktiv das Wachstum beider Beteiligten behindern oder konstruktiv fördern. Fragen, die dir in dieser Situation weiterhelfen können:
- Wie gehen wir beide mit Konflikten um?
- Kann ein Streit produktiv sein?
- Können wir Kompromisse finden oder muss einer immer nachgeben?
- Haben wir beide gute Strategien, die wir kennen und anwenden können?
Die Manipulationstechniken toxischer Menschen
Im Buch werden 8 verschiedene Manipulationstechniken näher beschrieben und beispielhaft erklärt. Mit Sicherheit ist dir mindestens eine davon auch schon einmal begegnet. Fünf stelle ich hier näher vor.
Love Bombing
Love Bombing bedeutet, dass jemand einer Person überwältigende Zuneigung, Aufmerksamkeit und (teilweise) auch Liebe zukommen lässt. Der Mensch fegt wie ein Sturm der Leidenschaft durch das Leben des Opfers, überhäuft dieses mit Komplimenten, Geschenken und zeigt scheinbar bedingungslose Hingabe. Die Person soll sich schließlich geschmeichelt, begehrt und wirklich einzigartig fühlen. Aus dieser Intention heraus entsteht sehr schnell eine emotionale Abhängigkeit, die später eine mögliche Trennung immer schwieriger macht.
Es ist gar nicht so einfach zu erkennen, dass es sich um Love Bombing handelt. Die meisten Liebesbeziehungen beginnen am Anfang sehr romantisch, man beschenkt sich, zeigt Aufmerksamkeit und schwebt auf der bekannten Wolke 7. Die Sehnsucht nach einem Partner, der uns auf Händen trägt, bedingungslos liebt, immer an unserer Seite ist und von dem wir uns gewollt und gesehen fühlen, ist tief in uns verwurzelt.
Love Bombing kann sowohl sehr bewusst oder auch unbewusst ausgeführt werden und hat mehrere Funktionen. Im ersten Schritt soll der Partner bzw. die Partnerin emotional abhängig werden. Außerdem sollen problematische Verhaltensweisen und Manipulationsversuche bagatellisiert werden. Wenn man so mit Zuneigung, Liebe und Aufmerksamkeit überschüttet wird, dann kann man schließlich nur geliebt werden, oder nicht? Schnell entsteht zudem der Eindruck, dass man in der Schuld der toxischen Person zu stehen. Diese nimmt sich schließlich besonders viel Zeit, zeigt mehr Liebe und investiert in Geschenke.
Ziel ist es, eine Art systematische Verwirrung zu erzeugen, was letztlich das Selbstwertgefühl, die Selbstwirksamkeit und auch die Selbstsicherheit beeinflusst und zunehmend untergräbt. Schaffen es toxische Menschen, die Emotionen ihrer Opfer zu kontrollieren, so haben sie nach und nach immer mehr Macht und Kontrolle über die ganze Beziehung und können diese dominieren.
Future Pacing
Auf Deutsch bedeutet es so viel wie “Vorwegnehmen der Zukunft” und beschreibt den Manipulationsversuch einer toxischen Person, die durch gezielte Handlungen, entsprechende Wortwahl und durch große Versprechungen eine rosarote Zukunft skizziert.
Sehr häufig werden besonders positive Zukunftsszenarien erschaffen, um nochmal zu unterstreichen, wie harmonisch die Beziehung verläuft. Das Opfer wird im Lauf der Beziehung in einem Kreislauf aus Hoffnung und Enttäuschung gefangen gehalten. Die Erwartungshaltung des Partners wird geschickt manipuliert. Hierzu werden Versprechen gegeben, die den Anschein haben, dass sich etwas verändert oder Engagement gezeigt wird. Es wird eine verzerrte Form der Realität geschaffen, um die Kontrolle über die Beziehung zu behalten und die Strippen zu ziehen.
Ein Beispiel: Ein Mann arbeitet seit zwei Jahren in einer Firma, ist engagiert und zeigt Leistung. Sein Chef lockt immer wieder mit der Aussicht auf eine Beförderung und Gehaltserhöhung, um ihn zu motivieren. Beide haben ein gutes Verhältnis und der Chef gibt sich absichtlich als “Kumpeltyp” und dem Mitarbeiter das Gefühl, ein wichtiger Teil des Teams zu sein. Wenn der Mitarbeiter dann aber mal nachfragt, wo die versprochene Beförderung und Gehaltserhöhung bleibt, gibt es eine erneute Ausrede oder eine Verschiebung der Frist. Der Mitarbeiter zeigt trotzdem weiterhin gute Leistung, macht Überstunden und übernimmt Extra-Aufgaben in der Hoffnung, dass sein guter Einsatz endlich gesehen und belohnt wird.
Das Beispiel bezieht sich auf eine berufliche Situation. Future Pacing kann jedoch auch in romantischen oder freundschaftlichen Beziehungen oder anderen Kontexten stattfinden.
Gaslighting
Die Autorinnen schreiben: “Gaslighting, ein überaus hinterhältiges manipulatives Verhalten, kann verschiedene Formen annehmen.” Es ist eine Manipulationsmethode, bei der ein toxischer Mensch versucht, deine Sichtweise und dein Selbstvertrauen zu erschüttern. Diese Taktik ist deshalb so schädlich, weil das Opfer systematisch in einen ständigen Zustand des Zweifelns, der Unsicherheit und Verwirrung gebracht wird und sich dadurch häufig in eine starke Abhängigkeit manövriert.
Es ist wie eine schleichender Nebel, der das klare Denken und die eigene Realität langsam verschleiern kann. Subtile Lügen und Manipulationstechniken kommen immer wieder zum Einsatz. Das Opfer entschuldigt sich irgendwann für Probleme und Fehler, für die es gar nicht verantwortlich ist.
Silent Treatment
Kommunikation ist das Herzstück jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Die Art wie wir miteinander sprechen, beeinflusst wie wir uns fühlen und miteinander interagieren. Doch gibt es auch Beziehungen, bei denen fehlende Kommunikation eine Rolle spielen kann.
Das sogenannte “Cold Shouldering” oder auch “Silent Treatment” hat ähnliche Auswirkungen wie Gaslighting. Opfer neigen dazu ihr eigenes Verhalten in Frage zu stellen, weil sie nicht erkennen, dass es sich um eine Manipulationstechnik handelt. Die “stumme Waffe” dient dazu, das Gegenüber einzuschüchtern und das Gefühl zu vermitteln, dass die Person aktuell nicht erwünscht ist. Diese Form der Nicht-Kommunikation wird häufig manipulativ eingesetzt und soll dazu dienen, das Opfer zu bestrafen, zu kontrollieren und dessen Gefühle abzuwerten. Das Schweigen vermittelt emotionale Kälte, was die betroffene Person zusätzlich isolieren und entmachten soll. Damit wird jegliche Möglichkeit genommen Kontakt wiederherzustellen und Klarheit über die Gesamtsituation zu erlangen. Das führt mitunter zu schmerzhafter Unsicherheit über den Stand der Beziehung.
Es ist eine Form der Bestrafung die erniedrigend ist und die Betroffenen in Unsicherheit hüllt. Das beeinflusst ihre Psyche nachhaltig. Das Ziel liegt darin begründet, dass die toxische Person das Verhalten des Opfers kontrollieren möchte.
soziale Isolation
In sehr ungesunden Beziehungskonstellationen kristallisiert sich irgendwann ein besonderes Muster heraus, das die Beziehung nachhaltig prägen wird. Der toxische Part setzt die Bedingungen und das Opfer muss diesen nachkommen. Es besteht kein Raum für gleichberechtigte Diskussion oder Vereinbarungen auf Augenhöhe. In diesen Zweierbeziehungen gibt es immer einen dominanten und einen unterlegenen Part. Der dominante Part versucht die Kontrolle zu behalten.
Insbesondere in narzisstischen Beziehungen zeigt sich häufig ein solches Muster. Das Opfer darf irgendwann nichts mehr selbstständig entscheiden und bestimmen. Soziale Isolation wird zur Norm, die Eifersucht der toxischen Person wird zur Vorgabe, auf die man Rücksicht zu nehmen hat.
Das Opfer hört irgendwann auf mit Freunden über die Beziehung zu sprechen, die psychische Widerstandsfähigkeit schwindet. Tut das Opfer, was die toxische Person möchte, wird sie mit Liebe und Aufmerksamkeit belohnt. Widerspricht sie, gibt es Streit. Das Ziel ist, den Willen langfristig zu brechen und das Opfer gefügig machen.
Wie schaffe ich es manipulatives Verhalten zu entschlüsseln?
Es gibt unterschiedliche Manipulationstechniken, derer man sich bewusst werden sollte. Häufig werden wir nämlich manipuliert ohne es direkt zu bemerken. Dazu zählen zum Beispiel folgende:
- Manipulation durch Wiederholung – Je häufiger eine Aussage wiederholt wird, umso mehr wird sie geglaubt. Das kann sowohl positiv, als auch negativ sein und gilt für viele Bereiche. Reden wir uns selbst ein, dass etwas wahr ist, dann neigen wir stark dazu, das auch zu glauben. Auch Verschwörungstheorien funktionieren nach diesem Grundsatz. Umso häufiger wir eine gewisse Aussage hören, umso vertrauter werden wir mit dieser. Unser Gehirn denkt “Habe ich schon mal gehört.” und das hat den Effekt, dass die Aussage nicht mehr so bedrohlich klingt und einfacher übernommen wird. Denken wir also “Ich bin zu dumm für diesen Job” oder “Ich bin nicht schön, mich mag sowieso niemand.”, dann glauben wir das irgendwann selbst.
- Manipulation durch Angst – Menschen lassen sich von Emotionen leiten und deshalb kann man mit Angst auch sehr gut manipulieren. Die Angst vor dem Ende einer Beziehung oder Freundschaft oder die Angst vor dem Ende eines Arbeitsverhältnisses wird bewusst verwendet, um eigene Forderungen durchzusetzen.
- An vergangene “Untaten” erinnern – Wenn immer wieder an vergangene Fehler erinnert wird, weckt das Schuldgefühle. Das soll dazu dienen Druck auszuüben und das Opfer zu beeinflussen. Damit soll Scham oder Bedauern in der Gegenwart erzeugt werden.
- Liebesentzug – Das Zurückhalten von Liebe, Aufmerksamkeit und Zuneigung ist eine Form der Manipulation und kann insbesondere auch in toxischen Familienumfeldern auftreten.
- Entweder – oder – Taktik – “Wenn du nicht damit aufhörst über dieses Thema zu sprechen, dann werde ich mit dir am Wochenende nicht auf die Party gehen.”
- Opferrolle – Zielt darauf ab Mitleid zu erregen und das Gegenüber zu Mitleid oder Schuldgefühlen zu bewegen.
Narzisstische und histrionische Persönlichkeitsstörung
Während wahrscheinlich viele von euch bereits über die narzisstische Persönlichkeitsstörung etwas gelesen oder gehört haben, ist die histrionische Persönlichkeitsstörung weniger bekannt.
Histrionische Persönlichkeitsstörung = zeichnet sich durch ein starkes Verlangen nach Aufmerksamkeit, übertriebenes emotionales Ausdrucksverhalten und das Bedürfnis nach Bestätigung aus. Menschen mit dieser Störung neigen sehr dazu, übertrieben theatralisch und dramatisch zu sein, um im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Ebenso liegt emotionale Instabilität und Impulsivität vor.
Narzisstische Persönlichkeitsstörung = Übermäßiges Bedürfnis nach Bewunderung, aufgeblähtes Selbstwertgefühl und großer Mangel an Empathie. Narzissten zeigen oft übertriebenen Stolz und eine Tendenz, andere zu manipulieren, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Dominieren andere, um sich überlegen zu fühlen.
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Gegen toxische Menschen immun werden
Psychologische Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass wir eine Art “psychisches Immunsystem” haben. Dieses fungiert als eine Art Schutzschild und hilft uns dabei mit den Konsequenzen von Fehlentscheidungen oder Misserfolgen umzugehen. Resilienz ist hier das Zauberwort, über das ich schon an der einen oder anderen Stelle berichtet habe. Resiliente Menschen können große Herausforderungen, Stress und Belastungen deutlich leichter meistern.
Unser Gehirn besitzt die Fähigkeit sich zu verändern. Das bedeutet, dass du deine Widerstandsfähigkeit auch dann trainieren kannst, wenn du bisher nicht für deine Unerschütterlichkeit bekannt warst.
Auch wenn es ein Stück weit auch an der eigenen genetischen Veranlagung liegt, wie resilient wir sein können, so haben wir es zu einigen Teilen auch selbst in der Hand. Wir können unser Denken und Handeln bewusst beeinflussen.
Die Autorinnen schreiben: “Unsere innere Widerstandsfähigkeit ist wie ein Muskel, den wir gezielt trainieren können. Wenn wir unser psychisches Immunsystem stärken und schützen, können wir uns gegenüber den Stürmen des Lebens besser behaupten.”
Eine sehr gute Podcast-Folge zum Thema “Resilienz” ist u.a. diese hier. Vielleicht möchtest du mal reinhören:
Tools und Übungen für den Umgang mit schwierigen Menschen
Zuallererst ist es wichtig, dass du selbst Klarheit darüber hast, welche Standpunkte, Bedürfnisse und Wünsche du in einer zwischenmenschlichen Beziehung hast. Nur wenn du deine persönlichen Standards kennst und weißt, bis zu welchem Punkt du Toleranz empfinden kannst, schaffst du eine gute Grundlage für deine Beziehungsqualitäten.
Optimistisch aus Krisen hervorgehen
Die beiden Autorinnen motivieren in ihrem Buch dazu, dass wir uns selbst freundlich begegnen und unsere vermeintlichen Schwächen als wertvolle Facette unserer selbst wahrnehmen. Falls wir das nächste Mal einen Fehler begehen, sollten wir uns nicht selbst geißeln. Schwächen haben immer auch positive Aspekte. Beispielweise sind extrem chaotische und unstrukturierte Menschen sehr sensibel und kreativ. Und manchmal ist es gerade unsere Schwäche, die anderen Menschen in unserer Umgebung ein Gefühl von Wohlbefinden vermittelt.
“Um aus Krisen zu lernen, optimistisch zu bleiben und in den eigenen Schwächen auch Stärken zu erkennen, ist es wichtig, sich dieser bewusst zu werden.”
Wenn das nächste Mal das Gedankenkarussell anspringt, dann denke nicht nur an die Risiken, sondern auch an die möglichen Vorteile deiner bisher getroffenen Entscheidungen, Erfahrungen und Handlungen. Konzentriere dich nicht ausschließlich auf die negativen Aspekte, sondern denke bewusst darüber nach, welche positiven Veränderungen bereits in deinem Leben eingetreten sind. Frage dich doch einmal folgende Fragen:
- Was bereitet mir Freude?
- Welche Menschen möchte ich an meiner Seite haben?
- Wie möchte ich leben?
Nimm dir gelegentlich auch Zeit deine Sorgen und Ängste zu reflektieren und sie mit der Realität abzugleichen. Denke daran, dass die Vergangenheit nicht die Gegenwart ist. Du hast Handlungskompetenzen erworben und du darfst für deine Bedürfnisse einstehen.
Übung: Die Dinge mit der positiven Brille betrachten
Diese Übung habe ich aus dem Buch übernommen, da ich sie selbst direkt umgesetzt habe. Ich bin selbst schnell darin, mich in einer negative Gedankenschleife zu verfangen. Da tut der positive Blick auf die Dinge gut.
Überlege dir, welche positiven Qualitäten deinen vermeintlichen Schwächen gegenüberstehen. Erstelle eine Liste mit deinen Schwächen und suche den positiven Gegenpol dazu. Hier Beispiele:
- Ich bin chaotisch. – Ich bin sehr kreativ.
- Ich bin sehr introvertiert. – Ich kann anderen gut zuhören.
- Ich bin zu sensibel. – Ich kann mich empathisch in andere einfühlen.
Wenn dir das schwerfallen sollte, dann überlege, worin eine fremde Person, die exakt die selben Schwächen hat, möglicherweise gut ist. Etwa so:
- Eine fremde Person, die sehr extrovertiert und laut ist, kann große Gruppen gut moderieren und unterhalten.
Radikale Akzeptanz üben
Manche Menschen ändern sich nicht. Das ist eine Tatsache, die man leider akzeptieren muss. Wenn du aus einer toxischen Beziehung aussteigen möchtest, dann kann das im ersten Schritt Angst machen. Es kann dir aber auch helfen, wenn du anders an die Sache herangehst.
Wenn jemand wegen einer Meinungsverschiedenheit die Beziehung zu dir beenden möchte, dann kannst du dir die Frage stellen, ob diese Beziehung überhaupt je so stark und innig gewesen ist, wie gedacht. Welche Nähe möchte man denn zu einer Person aufbauen, die bei jeder Kleinigkeit unangemessen und impulsiv reagiert? Wenn du das Gespräch zu einer toxischen Person suchst, dann ist das meist ziemlich ernüchternd. In den seltensten Fällen werden sie ihren Anteil an der Situation eingestehen. Viel eher wird es so sein, dass sie dich versuchen zu manipulieren und ihre Rolle verleugnen.
Radikale Akzeptanz bedeutet, etwas anzunehmen, egal ob es einem gefällt oder nicht. Um also dein psychisches Immunsystem zu schützen und vor den giftigen Toxinen der anderen Person zu schützen, solltest du akzeptieren, dass toxische Menschen ihr Verhalten nicht ändern. Weder für sich selbst noch für andere Menschen. Es ist ein radikaler Schritt, die andere Person dennoch zu akzeptieren und Frieden mit der Situation zu machen.
Die Opferrolle verlassen
Hast du eine hohe Selbstwirksamkeit, dann bist du fest davon überzeugt, dass du Herausforderungen mithilfe deiner eigenen Fähigkeiten meistern kannst. Du hältst die Ruder deines Bootes fest in Händen, navigierst dich durch die Gewässer des Lebens und spürst die kraftvolle Gewissheit, dass du die Richtung deines Lebens selbst bestimmen kannst. Auch von Wellen oder Windböen lässt du dich nicht vom Weg abbringen.
Die Opferrolle dagegen ermöglicht uns, die Schwierigkeiten des Lebens einfach nur zu beklagen und dadurch auch Mitgefühl anderer zu wecken. So wird uns Verständnis entgegengebracht ohne das wir an unserer Situation etwas ändern müssten. Der Schritt ins Unbekannte bringt dagegen nur Unsicherheit und Ängste. Da wir unsere Komfortzone und das Bekannte lieben, bleiben wir gerne bei dem, was wir schon kennen.
Übung: Stelle dir vor, dass du an einer Kreuzung deines Lebens angekommen bist. Du allein musst nun die Entscheidung treffen, in welche Richtung du abbiegen möchtest. Du hast die Freiheit deinen eigenen Weg zu wählen.
- Wann verharrst du in der Rolle des Opfers?
- Welcher Weg und welche Situation führen dich in diese passive Position?
Denke daran, dass fast immer auch Handlungsalternativen möglich sind, auch wenn diese nicht sofort ersichtlich sind. Nutze deine Erkenntnisse, um deine innere Navigationshilfe um Rat zu fragen. Wenn du auf diese Stimme hörst, wirst du wissen, in welche Richtung du gehen kannst.
In fünf Schritten aus der Opferrolle
In der Opferrolle fühlst du dich unglücklich und machtlos. Du kannst es jedoch schaffen alte Muster zu durchbrechen und an deine eigene Stärke und Selbstbestimmung (wieder) zu glauben.
Schritt 1: Identifiziere deine Position
Wie sieht dein aktueller Zustand aus? Du kannst Veränderungen erst dann in die Wege leiten, wenn du diesen kennst und du dich der Realität stellst. Nimm dir bewusst Zeit und reflektiere, in welchen Situationen du dich besonders oft beschwerst. Insbesondere über äußere Umstände oder andere Menschen. Ist es das schlechte Wetter, die unfaire Behandlung im Job, die fehlende Gehaltserhöhung, fehlende Aufmerksamkeit des Partners, das bessere Auto der Nachbarn, das unachtsame Fahrverhalten des Autofahrers vor dir? Welche Punkte fallen dir ein? Frage dich außerdem, wie häufig du vor anderen deine Unzufriedenheit kund tust, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen?
Schritt 2: Reflektiere, wie viel Macht du abgibst
Wer hat eigentlich die Kontrolle über deine Stimmung? Denke darüber einmal bewusst nach. Ist es die Frau im Supermarkt, die sich dreist vorgedrängelt hat? Beeinflusst dich die Kollegin, die dir noch einen Berg Arbeit auf deinem Schreibtisch hinterlassen hat? Hast du die Macht über deine Gefühle und ein Leben? Oder überlässt du die Macht bereitwillig anderen Menschen und deren Laune? Denke daran: Es ist eine bewusste Entscheidung dich in die Opferrolle zu begeben. Wenn das Ergebnis von der oben stehenden Frage ist, dass die Frau aus dem Supermarkt deine Laune beeinflusst, dann frage dich: Soll eine fremde Frau aus dem Supermarkt mehr Einfluss auf deine Emotionen haben, als du selbst?
Schritt 3: Wechsel die Perspektive
Wenn toxische Menschen (oder solche, die wir dafür halten) uns schlecht behandeln, dann kann es manchmal hilfreich sein, die Perspektive zu wechseln. Vielleicht hat sich die Frau im Supermarkt vorgedrängelt, weil sie ihren Hund im Auto gelassen hat und schnell zurückkehren wollte. Vielleicht hat deine Chefin gerade private Sorgen und konnte nicht die nötige Dankbarkeit aufbringen, die du dir gewünscht hättest. Ein neuer Blickwinkel kann dabei helfen, dass du dich weniger hilflos fühlst und negative Emotionen reduzierst. Es muss nicht gleich der schlechteste Grund die Ursache für das Verhalten sein, da immer mehrere Optionen in Frage kommen. Dieser Blick hilft dabei, die Opferrolle zu verlassen.
Schritt 4: Finde neue Lösungen
Wenn du damit beginnst selbst aktiv nach Lösungen zu suchen, dann kommst du automatisch in die Selbstwirksamkeit. Manche Umstände ändern sich alleine dadurch, dass du deine Einstellung dazu veränderst. Es gibt einige Situationen im Leben, in denen du dich unfair behandelt fühlen wirst. Anstatt dich nun aber darüber aufzuregen und in der Opferrolle zu verharren, solltest du versuchen aus einer anderen Perspektive auf die Sache zu schauen. Entscheide dich aktiv dafür die Dinge nicht zu nah an dich heranzulassen. Kommunikation ist übrigens oft die beste Lösung. Manchmal lassen sich eventuelle Missverständnisse direkt lösen. Wenn du die Chefin ansprichst, stellt sich vielleicht heraus, dass dieser ihr Verhalten gar nicht bewusst war und es findet sich eine Erklärung, an die du zuvor gar nicht gedacht hast.
Schritt 5: Akzeptiere und verabschiede dich
Um dein psychisches Immunsystem gesund zu halten, solltest du ein Gefühl dafür entwickeln, dass manche Situationen sich nicht mehr reparieren lassen. Es liegt dabei in deiner Macht, das entweder radikal zu akzeptieren oder dich dem komplett zu entziehen. Zum Beispiel, in dem du dir einen neuen Job suchst oder eine Freundschaft beendest. Vieles ist möglich, du musst jedoch selbst die Verantwortung für dein Leben übernehmen und ins Handeln kommen.
Mache es ab sofort besser
Folgende Reflexionsfragen können dir dabei helfen, dir über deine Beziehungen mit toxischen Menschen bewusst zu werden:
- Verbringst du Zeit mit der toxischen Person, auch wenn es vielleicht andere Dinge gibt, die du bevorzugen würdest?
- Was in dieser Beziehung machst und investierst du, obwohl du es eigentlich nicht tun möchtest?
- Führst du manche Handlungen nur aus Angst vor der Reaktion des toxischen Menschen durch, um mögliche Missbilligungen zu vermeiden?
- Wer ist dieser Mensch für dich und warum investierst du deine Zeit und Lebensenergie in ihn?
- Trittst du dieser Person authentisch und offen gegenüber und traust dich, Dinge ehrlich zu reflektieren?
Nimm die Verantwortung für deine “Heilung” selbst in die Hand. Du hast das Recht auf Hilfe und Unterstützung während deiner persönlichen Wachstumsphase. Bleibe nicht in einem Job, der dich täglich unglücklich macht nur aus einem Pflichtgefühl heraus? Beende eine Partnerschaft, die nur noch aus Gewohnheit heraus besteht und nicht aus Liebe. Wenn eine Stimme in dir sagt, dass du dich aus einer toxischen Beziehung lösen musst, dein Verstand aber zahlreiche Argumente liefert, weshalb du es doch nicht tun solltest, dann ändere deine Perspektive.
Kümmere dich aktiv um dich selbst. Überprüfe deine Beziehungen und schaue, ob sie dir gut tun, lies Bücher, vernetze dich mit anderen Menschen und überlege dir folgendes:
- Welches Selbstbild möchtest du ab sofort haben?
- Welcher Mensch möchtest du gerne sein?
- Welchen ersten Schritt kannst du heute unternehmen, um ein erfülltest Leben zu führen?
- Welche Voraussetzungen erwartest du in einer unterstützenden Partnerschaft?
- Wo liegen deine persönlichen Grenzen? Welches Verhalten kannst du nicht tolerieren?
“Es ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, für seine eigenen Bedürfnisse einzustehen und sich vor unangemessenem Verhalten toxischer Menschen zu schützen.”
Ergänzend hier noch eine Podcastfolge zum Thema “toxische Beziehungen”, die hörenswert ist:
Zusätzlich zum oben erwähnten Buch passen auch noch folgende:
- “Mit Resilienz Krisen überwinden” von Sabine Lahme (mvg Verlag)
- „Die Maschen der Narzissten ” von Julia Marie Schmoll (GU Verlag)
- “Die Narzissten unter uns” von Thomas Erikson (Ü: Katja Theiss) (mvg Verlag)
- “Wutkraft” von Friederike von Aderkas (Ü: Sylvia Gredig) (Beltz)
- “People Pleasing” von Dr. Ulrike Bossmann (Beltz)
Ich wünsche dir eine wunderbare Woche
Und ein paar Momente der Ruhe, in der du die Zeit und Muse hast über deine Beziehungen nachzudenken und zu reflektieren. Ich wünsche dir gute Erkenntnisse und spannende Perspektivwechsel.
Hab einen entspannten Sonntag, einen guten Start in die neue Woche und viele positive Erlebnisse. Wenn du Fragen oder Anmerkungen zum Thema hast, dann freue ich mich immer über eine Nachricht. Egal ob über Instagram oder direkt hier als Antwort auf diese Mail.
Alles Liebe,
Petra