Wir alle haben unser Päckchen zu tragen. Wir haben Erlebnisse und Erfahrungen in der Vergangenheit gesammelt, die uns zu dem Menschen werden ließen, der wir heute sind. Manche dieser Erlebnisse sind wunderbar, andere vielleicht weniger. Bereits in unserer Kindheit haben wir Glaubenssätze geformt und es haben sich möglicherweise schädliche Selbstschutzmechanismen entwickelt. All diesen Ballast nehmen wir mit in unsere Beziehungen. Ganz egal ob auf partnerschaftlicher oder freundschaftlicher Ebene. In der Paarbeziehung kommen diese Verletzungen aus der Vergangenheit aber nochmal mehr zum Zug. Deshalb kann es sich immer wieder lohnen, eigene Verhaltensweisen oder Glaubenssätze zu reflektieren und darüber nachzudenken diese alten Baustellen zu heilen.
Viele Menschen gehen zur Paartherapie, wenn es in der Beziehung zu einem Punkt kommt, an dem man selbst nicht mehr weiterkommt, es kriselt und man die Beziehung aber gerne retten möchte. Deutlich weniger Menschen jedoch gehen zur Therapie, wenn alles gut läuft. Dabei kann es häufig sehr hilfreich sein, sich mit eigenen Verhaltensmustern zu beschäftigen und quasi präventiv vorzuarbeiten. Denn wenn man seine eigenen Baustellen kennt, kann man viel besser damit umgehen.
Ich war selbst noch nie bei einer Paartherapie und würde auch sagen, dass ich in meiner Partnerschaft sehr glücklich bin. Gerade deshalb wollte ich aber das Buch “wiederherzgestellt – Wie emotionale Heilung mehr Vertrauen, Nähe und Lebendigkeit in deine Beziehung bringt” von Dr. Sharon Brehm (Südwest) unbedingt lesen. Denn selbstverständlich habe auch ich meine Baustellen und ein einfühlsamer Blick auf eben diese kann manchmal helfen, neue Erkenntnisse zu schenken und damit wieder ein wenig klarer zu sehen.
Wie emotionale Altlasten unsere aktuelle Beziehung beeinflussen
Dr. Brehm rät dazu, dass wir nicht immer dem vertrauen sollten, was uns vertraut vorkommt. Ein sehr spannender Gedanke, der bei näherer Betrachtung aber gar nicht so abwegig ist. Unser Erfahrungen aus der Vergangenheit beeinflussen, welchen Dingen wir welche Bedeutung geben, ob wir anderen Menschen vertrauen (auch wenn sie nicht vertrauenswürdig sind), aber auch darüber, welche Dinge wir NICHT wahrnehmen.
Wir sind gut darin die Dinge zu ignorieren, die uns nicht bekannt vorkommen. Aber wie sollen wir erkennen, dass wir damit immer nur uns selbst bestätigen möchten bzw. wie sollen wir sehen, was wir nie zu sehen gelernt haben?
3 Tipps, um die eigene Wahrnehmung zu öffnen
Glaube nicht jedem deiner Gedanken
Ein Satz, den du bestimmt schon öfter mal irgendwo gelesen hast. Leider ist er jedoch einfach wahr. Mit anderen Worten ausgedrückt, könnte man es auch so beschreiben: Vielleicht hast du dich schon mal an Beinen oder Gelenken verletzt und dann die Erfahrung gemacht, dass du am liebsten jeden Schmerz vermeiden möchtest. Dieses unangenehme Gefühl hat sich eingebrannt und du verfällst vielleicht in eine Art Schonhaltung, damit du es keinesfalls nochmal erleben musst. Du bekommst Physiotherapie, gehst vielleicht mit Krücken oder einer Schiene und lernst in der Therapie, dich dem Schmerz zu nähern. Langsam findest du heraus, welche Bewegungen mittlerweile wieder gut gehen und was noch Zeit und Heilung benötigt. Damit kommt Schritt für Schritt das Vertrauen in den eigenen Körper wieder zurück, du kannst die Schonhaltung verlassen und nach und nach wieder die normalen Alltagsbewegungen ohne Bedenken umsetzen.
“Um zu heilen, müssen wir uns auch unserem Schmerz und unserer Zerbrechlichkeit stellen.”
Ähnlich wie bei physischen Verletzungen verhält es sich auch mit unseren emotionalen Wunden. Wenn wir anfangen unsere Glaubenssätze zu hinterfragen, uns unseren Ängsten und unserer Scham zu stellen, dann fangen wir zugleich an unsere Wahrnehmung zu ändern.
Die Autorin schreibt sehr treffend: “Gelegentlich müssen wir unserer eigenen Normalität gegenüber skeptisch sein.”
Sobald wir bereit sind unsere eigenen Annahmen zu hinterfragen, öffnet sich viel Raum für Wachstum. Reflexionsfragen helfen uns dabei. Wichtig ist sich immer in Erinnerung zu rufen, dass wir unseren Gedanken nicht immer blind trauen sollten und nicht jeder unserer Gedanken auch die Wahrheit ist. Die Antworten zu folgenden Fragen können dir helfen:
- Ist es ein Fakt, dass ich nicht liebenswert bin?
- Kann ich mit Gewissheit sagen, dass meine aktuellen Schutzmechanismen die beste Strategie sind, um sicher zu bleiben?
- Stimmt es denn, dass alle Menschen mich verletzten werden?
Sei offen für mehr Wahrheit
Damit ist gemeint, dass wir sehr schnell in das Muster verfallen, dass unsere Gedanken und Gefühle die einzig richtigen sind. Dabei gibt es aber immer mehr als schwarz oder weiß. Wenn wir uns nämlich zugestehen, dass es neben unseren eigenen auch andere Denkmuster gibt, dann ist es leichter den aktuellen Status quo zu hinterfragen.
Ein Beispiel hierfür wäre zum Beispiel das Prinzip zu “Die fünf Sprachen der Liebe” von Gary Chapman (Francke) das ich hier auch schon das eine oder andere Mal erwähnt habe. Meine Liebessprache ist übrigens “Geschenke”. Kennst du deine? Es gibt:
- körperliche Nähe
- Lob und Komplimente
- Zweisamkeit
- Geschenke
- Hilfsbereitschaft
In dieser Podcastfolge von Hello Lovers mit Anika Landsteiner und Dr. Sharon Brehm wird darüber gesprochen:
Wenn wir verstehen, dass die andere Person unsere Liebessprache noch nicht spricht und gerade dabei ist diese zu lernen, dann verbessert es die Situation ungemein. Die Autorin schreibt: “Sobald wir uns bewusst werden, dass Menschen sehr unterschiedlich handeln und denken, entsteht emotionale Sicherheit. Und wenn wir uns sicher fühlen, dann sind wir eher in der Lage, etwas Neues zu lernen. ”
Entdecke Unverständnis als Tür zu mehr Verständnis
Manchmal entstehen Konflikte nicht wegen fehlender Liebe, sondern wegen unterschiedlicher Bewertungen und Wahrnehmungen. Wenn man jedoch versteht, dass man eine Sache anders definiert als der Partner und verschiedene Definitionen ihren Raum haben dürfen, dann entsteht zugleich wieder mehr Verbundenheit und Frieden.
Wenn beide Seiten Lust haben die jeweils andere Definition zu lernen und Verständnis füreinander aufbringen, dann kann ein gutes Miteinander funktionieren. Eine lebendige Beziehung lebt davon, Neues gemeinsam zu entdecken, selbst dann, wenn man sich bereits gut kennt. Sie baut darauf neue Perspektiven einzunehmen und auch neugierig zu bleiben.
“Wenn wir emotionale Verletzungen ignorieren, verzerren sie irgendwann unsere Wahrnehmung.”
Wie Bindungstraumata entstehen können
Der Mediziner Gabor Maté vergleicht die Entstehung von Traumata mit dem Heilungsprozess physischer Wunden. Liegt die Wunde offen, dann sind wir sensibel und vorsichtig. Irgendwann aber vernarbt die Wunde. Von außen betrachtet scheint es, als wäre alles normal. In Wahrheit ist die Wunde jedoch hart, unflexibel, fest. Ist die Psyche vernarbt, so sucht sie Kontrolle, wo es gar keine Kontrolle geben kann, sie fühlt sich innerlich taub oder neigt zu Schwarz-Weiß-Denken.
Möglicherweise sind wir in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem ständig Konflikte unter der Oberfläche brodelten. Ein Streit jagte den nächsten und jedes Wort war eine potenzielle Mine, die das Fass zum überlaufen bringen konnte. Als Erwachsene können wir nun selbst bestimmen und haben verinnerlicht, dass wir keinesfalls einen Konflikt in unserer Beziehung gebrauchen können. Wir sind regelrecht süchtig nach Harmonie, da diese für uns lebensnotwendig ist. Vielleicht denken wir sogar, dass wir für den Frieden verantwortlich sind und deshalb auf keinen Fall anderer Meinung sein dürfen. Es gibt keinen Raum für unsere eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Ängste.
Solche Situationen entstehen nie nur durch einen Streit oder Moment. Wenn diese Ereignisse unsere Welt- und Selbstsicht aber fundamental verändern, dann kann ein Trauma entstehen. Oft teilen wir solche Geschichten mit niemandem, weil sie so nichtssagend und normal scheinen. Weil alle solche Momente und Erlebnisse kennen und wir vielleicht auch gar nicht darüber nachdenken, dass solche Erlebnisse unser heutiges Leben so massiv beeinflussen. Wir waren halt einfach schon immer so. Kommt dir dieser Gedanke bekannt vor?
Dr. Sharon Brehm schreibt: “Das Wissen, dass ein Trauma die Veränderung in unseren automatischen und unwillkürlichen Reaktionen ist, kann uns milder machen und Selbstmitgefühl aufkommen lassen. Meiner Meinung nach brauchen wir unbedingt mehr Güte und Verständnis. Denn wenn wir auf die Menschen, die uns einmal am meisten bedeutet haben, unbewusst abweisend oder übergriffig reagieren, wie sollen wir dann echtes Verständnis für Menschen haben, die weit weg von uns scheinen? Wenn wir Angst haben, dass die Menschen, die uns lieben, uns nicht sehen, wertschätzen oder ernst nehmen – wie sollen wir dann darauf vertrauen, dass fremde Menschen keine Bedrohung sind?”
“Nicht nur negative Ereignisse verändern uns. Auch das Fehlen positiver Dinge prägt uns in unserem Verhalten und Denken.”
9 emotionale Bedürfnisse die wir alle haben
Authentische Akzeptanz
Wir brauchen jemanden, der uns so sieht, wie wir wirklich sind. Mit allen Stärken und Schwächen. Wenn wir einen Menschen haben, der uns so akzeptiert, dann fühlen wir uns zugehörig. Akzeptanz bedeutet auch, dass wir uns im Leben einer anderen Person willkommen fühlen. Werden wir in eine Familie oder einen Freundeskreis integriert, dann fühlen wir uns akzeptiert.
Liebevolle Anerkennung
Wenn wir das Gefühl haben, dass andere Menschen uns sehen und wir zudem positive Rückmeldungen erhalten, dann schenkt uns das Sicherheit. Wir bleiben unsicher und zögerlich in unseren Handlungen, wenn wir das Gefühl haben, dass wir etwas nicht richtig machen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn wir als Kind keine Anerkennung für unsere Gedanken und Gefühle bekommen haben. Wenn wir jedoch authentisch bestärkt werden, dann entwickeln wir Selbstbewusstsein. Zudem kann es uns sehr motivieren, wenn andere unsere Intentionen oder unseren Aufwand anerkennen.
Emotionale Intimität
Wenn wir uns in einem Umfeld bewegen, in dem wir unsere Gefühle offen und ohne Angst vor negativen Abwertungen ausdrücken können, dann fühlen wir uns gut. Nur auf dieser Grundlage kann Liebe gedeihen. Andernfalls zweifeln wir daran, ob man uns nur wegen unserer netten Hülle liebt. Intimität braucht Echtheit und Verletzlichkeit, nicht nur auf einer körperlichen Ebene, sondern auch auf emotionaler und mentaler Ebene. Zur emotionalen Intimität gehört auch, dass wir uns nicht ständig zensieren müssen. Wut, Trauer oder andere negativen Gefühle sollen und dürfen ausgedrückt werden. Eben so, wie wir diese fühlen.
Echte Verbindung
Wir wollen wir selbst sein können und wollen auch, dass sich die Person gegenüber nicht verstellt. Echte Verbindung beginnt damit, dass uns jemand authentisch begegnet. Manchmal beflügelt ein kreatives Miteinander, bei dem man sich durch eine andere Person beflügelt und inspiriert fühlt. Oder in einem schwierigen und schmerzhaften Moment war eine Person da und hat Halt geschenkt. Niemand, der nur hohle Floskeln posaunt, sondern eine echte Stütze. Oder jemand ist uns gegenüber absolut loyal und steht uns bei, auch wenn wir nicht perfekt sind. Jemand, der unsere Geheimnisse sicher verwahrt und sie nicht missbraucht, um andere gut zu unterhalten. Wir möchten nicht nur nebeneinander existieren. Wir möchten Freude teilen und gemeinsam Schönes erleben.
Einfühlungsvermögen und Mitgefühl
Gefühle sind zum Fühlen da und nicht zum Zerdenken. Doch manchmal ist es schwer wirklich zu verstehen, was wir eigentlich fühlen. Erleben wir Mitgefühl, dann fühlen wir uns unterstützt und gestärkt. Empathie kann auch heißen, dass jemand anderes uns Erdung und Orientierung schenkt, wenn wir gerade dabei sind uns von unseren Emotionen überwältigen zu lassen.
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Autonomie und Identität
Wenn jemand anderes uns Vorwürfe macht, weil wir unseren eigenen Weg gehen oder eine Entscheidung getroffen haben, dann fangen wir irgendwann an uns selbst nicht mehr zu spüren. Wir bemerken nur noch die Ängste und Erwartungen der anderen Person. Werden wir sogar als peinlich abgestempelt, dann kann uns das kränken. Deshalb ist die Anerkennung unserer eigenen Entscheidungen, aber auch unserer Makel und Gedanken so unglaublich wichtig.
Respektvolle Kommunikation
Eine respektvolle und ehrliche Kommunikation ist die Basis einer gesunden Liebe. Wir brauchen jemanden, der uns aktiv zuhört, unsere eigene Sichtweise auch stehen lassen kann und seine Meinung mit uns teilt. Uns sollten wir unterschiedlicher Meinung sein, dann braucht es unbedingt Respekt und Freundlichkeit. Respekt sollte zudem nicht an Gegebenheiten wie dem Alter oder dem Geschlecht geknüpft sein, sondern in einer guten Kommunikation einfach immer vorhanden sein.
Wachstum und Unterstützung
Wenn wir jemanden an unserer Seite haben, der uns unterstützt, dann fällt es uns leichter persönlich zu wachsen und unsere Komfortzone zu verlassen. Wir brauchen die Erlaubnis auch Fehler machen zu dürfen und unseren eigenen Weg zu gehen. Auch wenn es möglicherweise schnellere oder effektivere gäbe. Wenn andere Vertrauen in uns haben, dann kann uns das wiederum Vertrauen in uns selbst geben.
Sicherheit und Schutz
Wenn wir ständig in der Angst leben, dass etwas oder wir nicht okay sind, dann können wir uns nicht fallen lassen. Das verunsichert uns und in diesem Zustand fällt es schwer offen zu bleiben. Die wenigsten haben Spaß daran Grenzen zu ziehen. Das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit benötigt jedoch Grenzen. Schutz meint dabei auch nicht nur uns selbst, sondern beispielsweise auch unsere Beziehung oder die Sicherheit von Menschen, die uns am Herzen liegen und wichtig sind.
Wie Emotionen zu mehr Verständnis führen
Wir haben ein paradoxes Verhältnis zu unseren Gefühlen. Obwohl sie uns bei anderen Menschen im Regelfall nicht stören, schämen wir uns häufig, wenn wir selbst zu emotional werden. Dabei sind Emotionen die Sprache unseres Herzens. Was jetzt kitschig klingt ist jedoch wissenschaftlich bewiesen. Viele von uns machen den Fehler Gefühle zu ignorieren, zu unterdrücken oder auf die eine oder andere Art wegzuschieben. Obwohl sie ein Teil des Menschseins sind, erklären wir sie nicht selten zum Feind.
Es gibt übrigens einen Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Gefühle kann man als “Theater des Geistes” bezeichnen, während Emotionen aus dem “Theater des Körpers” kommen. Sagen wir beispielsweise, dass wir uns nicht geliebt fühlen, beschreiben wir ein Gefühl. Gefühle wiederum sind Geschichten, die wir mit einer bestimmten Emotion verknüpfen, und diese Geschichten können dazu führen, dass wir die Verbindung zu anderen verlieren. Groll, Furcht oder Zufriedenheit sind Emotionen. Wir spüren diese in unserem Körper und sie sind damit Teil unserer Realität. Wir erleben sie, doch die Interpretation dahinter ist ein Gefühl.
Wenn wir Emotionen unterdrücken, dann verlieren wir uns selbst
Wenn wir Emotionen als unseren Feind betrachten, dann hat das auch Auswirkungen auf unsere Beziehungen. Wir streiten mehr. Häufig fühlen wir uns sogar verurteilt und einsam, es entstehen weitere Verletzungen und die sichere emotionale Basis bröckelt. Aber auch auf die Gesundheit hat dies direkten Einfluss. Angststörungen und Depressionen, Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen oder Autoimmunerkrankungen werden häufig durch psychische Probleme verstärkt.
Wenn wir unsere Emotionen unterdrücken und dauerhaft über alles hinweglächeln, dann verlieren wir uns selbst auch immer mehr aus den Augen. Unsere Identität und das was uns ausmacht und auch unser Selbstbewusstsein leidet. Die Unterdrückung von Emotionen hat häufig auch eine Trennung von sich und anderen gemein. Selbstverständlich möchte wohl niemand krank werden oder sich selbst verlieren und doch passiert es. Nicht zuletzt, weil viele von uns damit aufgewachsen sind, dass Emotionen nur Probleme bereiten, man sich “zusammenreißen muss” und alles doch auch gar nicht so schlimm ist.
Der erste wichtige Schritt ist bereits getan, wenn man eine korrigierende Erfahrung macht und sich selbst über die positiven Effekte von Emotionen bewusst wird. Je mehr man über diese positive Macht weiß, umso mehr will man den Umgang damit lernen.
Wie Emotionen als Wegweiser dienen
Emotionen sind Boten von Veränderung
Unsere Sinne, der Temperatur- und Gleichgewichtssinn, unser Herzschlag, der Puls, unsere Hormone, Erfahrungen, Werte und Wünsche sind Teile eines Mosaiks und all diese Teile zusammen ergeben ein Gefühl. Aus der Sicht der jeweiligen Person sind die Gefühle immer logisch.
Je schneller ich also eine Veränderung registriere, desto besser kann ich mich auf sie einstellen. Emotionen helfen uns dabei, im Alltag flexibel zu bleiben und souverän zu reagieren und sie helfen uns dabei, dass wir uns auf unsere Umwelt einstellen und uns an sie anpassen.
Emotionen geben einer Situation Sinn
Die Eindrücke die wir wahrnehmen, fassen wir zu einer Emotion zusammen. Damit geben sie uns eine Möglichkeit, unsere innere Welt zu erkunden und mit anderen zu teilen. Es bedeutet auch, dass Emotionen einer Logik folgen, die wir nachvollziehen können, dafür müssen wir uns allerdings mit ihnen beschäftigen.
Emotionen verdeutlichen Bedürfnisse
Emotionen können uns zeigen, welche Wünsche und Bedürfnisse wir haben und lassen häufig tief blicken. Glück etwa bedeutet, dass wir zufrieden sind. Gerade in Beziehungen geht es um emotionale Bedürfnisse und je verständlicher wir diese ausdrücken können, desto besser kann unser Gegenüber auf uns reagieren und umso leichter und glücklicher sind unsere Beziehungen.
Emotionen sind Ausdruck unserer Werte
Unsere Emotionen helfen uns dabei, Dinge zu gewichten und Entscheidungen zu treffen. Damit sind sie Ausdruck unserer gelebten Werte. Ohne emotionales Feedback ist es ein Ding der Unmöglichkeit Dinge zu priorisieren und langfristige Ziele zu setzen.
Emotionen sind unser individueller Ausdruck
Nicht alle Menschen sind gleich und nicht alle Menschen zeigen ihre Emotionen auf die selbe Weise. Freude wird nicht immer mit einer großen Lächeln ausgedrückt. Es ist etwas ganz besonderes, jemanden in seinem ganz eigenen Ausdruck an Emotionen kennenzulernen und ernst zu nehmen. Gerade in Paarbeziehungen kann man so Missverständnisse und emotionale Verletzungen vermeiden. Und jemanden gut lesen zu können schafft zudem eine ganz besondere Nähe.
Emotionen sind ein Kommunikationsmittel
Emotionen zeigen was wir brauchen oder wovon wir uns abgrenzen können. Sie sind damit wichtige Werkzeuge, um im Alltag mit anderen in Kontakt zu treten. Je besser wir eine Person kennen, umso besser können wir einen Blick deuten oder spüren, wie es der Person gerade geht. Wenn wir also lernen, dass uns Emotionen etwas sagen möchten (statt uns zu verletzen) desto eher sind wir offen für die Information. Die Autorin schreibt: “Wollen wir uns schützen, verschließen wir uns. Sind wir neugierig, bleiben wir offen. Denn Neugier ist die andere Seite von Angst.”
Empathie – das Herzstück der zwischenmenschlichen Verbindung
Ein wichtiger Faktor in Beziehungen ist Empathie. Der alte Glaubenssatz, dass Frauen deutlich empathischer sind als Männer stimmt übrigens nicht zwingend. Es gibt eine sehr spannende Studie der University of California, die das untersucht hat.
Mehr als 200 Proband:innen mussten anhand eines kleines Bildausschnitts (sichtbar waren nur die Augen) Emotionen zuordnen. In der ersten Runde haben die Frauen deutlich schneller die richtigen Antworten geliefert. In der zweiten Runde galt jedoch: Je schneller jemand die Emotionen zuordnet und korrekt benennt, umso mehr Geld bekommt er. Spannend war, dass die Männer genauso gut Gefühlsausdrücke lesen konnten, wenn es dabei etwas zu gewinnen gab. Männer sind nicht grundsätzlich unempathisch, aber scheinbar bietet die Welt weniger Anreize für Männer, empathisch zu sein.
Viele Menschen haben nicht gelernt mit unbequemen Gefühlen umzugehen. Es fehlt häufig auch gar nicht an Empathie, wenn jemand sein Gegenüber nicht trösten kann, wenn dieser in Tränen aufgelöst ist. Vielmehr ist es ein Zeichen von Hilflosigkeit, weil man nicht weiß, wie man passend darauf reagieren soll.
Wie Empathie zur emotionalen Heilung beitragen kann:
- Wir verstehen andere Personen besser und können ihr Verhalten, ihren Kontext und ihre Intention besser nachvollziehen.
- Empathie ist nicht nur die Fähigkeit, sondern auch die Bereitschaft, sich mit der Innenwelt einer Person auseinanderzusetzen.
- Sobald wir uns in andere Menschen hineinversetzen können, können wir ihre Bedürfnisse nicht mehr ignorieren oder kleinreden.
- Empathie schafft emotionale Verbindung und damit können wir weitere Verletzungen in unserer Beziehung verhindern.
- Empathie hilft uns zu wissen, mit welchen Fragen wir beginnen können. Fragen zu stellen, aktiv zuzuhören und mit Bedacht darauf zu antworten, sind die Voraussetzung für offene, ehrliche Auseinandersetzungen.
Hilfreiche Learnings, die ich aus dem Buch mitgenommen habe
Um gute Beziehungen führen zu können, müssen wir in erster Linie an uns selbst arbeiten. Die Arbeit an uns kommt jedoch auch anderen Bereichen zu gute. Eine gute Selbstreflexion kann unsere Persönlichkeit auf eine wunderbare Weise weiterentwickeln. Ich habe mir konkret einige tolle Learnings notiert, die ich jetzt hier auch mit dir teilen möchte.
- Empathische Resonanz erhöht das Gefühl emotionaler Sicherheit: Wir fühlen uns gesehen, verstanden und ernst genommen.
- Anzunehmen, dass Menschen ihr Bestes geben, kann uns helfen, die Realität anzunehmen, wie sie ist – und nach neuen Wegen suchen.
- Nicht nur unsere Familie prägt uns, sondern auch kulturelle Vorgaben. Unsere Prägungen zeigen sich in unserem Verhalten.
- Wenn wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen können, liegt es meistens daran, dass sie noch präsent ist.
- Scham blockiert uns. Schuld gibt uns die nötige Energie, etwas zu verändern.
- Wir brauchen Grenzen, um nicht mit einer Person zu verschmelzen, um selbstbewusst zu sein und uns selbst besser zu spüren.
- Unsere Wahrnehmung hat einen großen Einfluss darauf, was wir als sicher oder als gefährlich einstufen. Ändern wir unsere Wahrnehmung, können wir alte Muster durchbrechen.
- Meist zeigen sich die Verletzungen unserer Vergangenheit erst in unseren Beziehungen als Erwachsene.
- Die Botschaft hinter Scham ist, dass wir als Person falsch sind. Die Botschaft hinter Schuld ist, dass wir etwas Falsches getan haben.
Abgesehen davon, dass der ganze “Hello, Lovers”-Podcast wirklich zu empfehlen ist, möchte ich auch diese Folge zum Thema Kommunikation nochmal separat erwähnen:
Zusätzlich zu den oben erwähnten Büchern passen auch noch folgende:
- “Smart Loving” von Dr. Sharon Brehm (Südwest)
- „Getriggert? – Wie wir unsere Beziehungen stärken, indem wir unsere Emotionen regulieren und gelassener kommunizieren. ” von Anouk Algermissen (mvg Verlag)
- “Mit Nachsicht – Wie Empathie uns selbst und vielleicht sogar die Welt verändern kann” von Sina Haghiri (Kösel )
Ich wünsche dir eine spannende Reise der Selbstreflexion
Wie immer freue ich mich sehr, wenn du aus der heutigen Ausgabe etwas für dich mitnehmen kannst. Auch wenn du in einer glücklichen Partnerschaft lebst oder Single bist, es lohnt sich immer eine kleine Reise in die Tiefen des eigenen Selbst zu unternehmen und nachzuspüren, was man eigentlich aktuell will und braucht.
Ich wünsche dir einen sonnigen Sonntag, einen guten Start in die neue Woche, viel Sonne, wunderbare Momente und die nötige Ruhe, um zu erkennen, was du gerade brauchst.
Alles Liebe,
Petra