11. Dezember: Wie geht richtige Entspannung?

von Petzi

Zahlreiche Ratgeber und Bücher berichten von der Wichtigkeit der Entspannung. Die Akkus wieder aufladen, neue Energie tanken, zur Ruhe kommen. Das ist ein wichtiger Teil des Alltags und ignorieren wir das Bedürfnis nach Ruhe zu lange, holt sich der Körper irgendwann selbst, was ihm verwehrt bleibt.

Würde ich jetzt einige Menschen fragen, was für sie Entspannung bedeutet, dann werden sicherlich so Dinge genannt wie ein Bad nehmen, in Ruhe ein Buch lesen, eine Serie schauen, Sport machen, mit dem Hund um den Block gehen.

Und zweifelsohne sind das alles Dinge, die Entspannung schenken können. Doch im Buch “Das 7-Tage-Rezept für weniger Stress” von Dr. Elisa Epel (Ü: Gabriele Würdinger ) (Ullstein) las ich einen Satz, der mir nachhaltig im Gedächtnis blieb. Und dieser lautet:

“Pausen und Freizeitaktivitäten mit echter Erholung zu verwechseln, ist ein Fehler, den wir alle machen.”

Und noch näher ausgeführt schreibt sie weiter: “Sich Pausen von der Arbeit oder Pflegearbeit zu nehmen und Dinge zu tun, die Sie genießen, wie etwa Zeit mit geliebten Menschen zu verbringen, ein Buch zu lesen oder einen Film anzuschauen – das alles ist wichtig. Und ja, es handelt sich dabei um Formen von Entspannung, die in die Kategorie “Gemütszustand grün” gehören. Aber es gibt zwei Gründe, warum sie Ihnen nicht zu tief greifender Regeneration verhelfen. Zum einen schwirren Ihnen dabei sehr wahrscheinlich noch viele Gedanken durch den Kopf. Zum anderen sind Sie de facto beschäftigt, wohingegen sich “Gemütszustand blau” am leichtesten erreichen lässt, wenn wir nicht tun, sondern sind.”

Gemütszustand grün & blau

Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem du wirklich völlig entspannt warst? Einen Zustand, in dem Körper und Seele eine echte Auszeit von Arbeit und anderen Aufgaben bekommen haben? Möglicherweise erlebst du dieses Gefühl in der Natur, denn dort kann sehr häufig der blaue – so wertvolle – Gemütszustand erreicht werden. Vielleicht ist es aber auch interessanter dich zu fragen, wo du nicht warst.

Möglicherweise warst du weg von zuhause, fern von den alltäglichen Herausforderungen und der To-Do-Liste, weg von ständiger Erreichbarkeit. Und zudem an einem Ort, an dem du dich sicher und wohlgefühlt hast.

Die meisten Menschen würden sagen, dass sie diesen Zustand und dieses Gefühl im Urlaub erlebt haben. Manche vielleicht auch in der Natur, andere während einer besonderen Massage und möglicherweise auch beim Yoga. Du siehst also, es muss nicht unbedingt der Urlaub sein, um in diesem Zustand zu gelangen.

Es ist so wertvoll, sich darüber Gedanken zu machen und mehr von diesen Dingen in sein Leben und seinen Alltag zu holen, um viel häufiger in diesen blauen Gemütszustand zu gelangen.

Fotocredits: Joanna Kosinska via Unsplash.com

Was zeichnet den blauen Zustand aus?

Das Gedankenkarussell kommt zum Stillstand, du fühlst dich wach, in deiner Energie, deine Energietanks laden sich auf, du fühlst dich in die ruhend. Statt ständigen Grübeleien gibst du dich eher Tagträumen hin, fühlst dich kreativ und lässt deine Gedanken schweifen und weiterziehen, statt dich darin zu verheddern.

Die Autorin schreibt: “Die meisten Menschen kommen pro Woche oder Jahr eher selten in den Genuss davon. Erholung, so scheint es, sollte einfach und mühelos sein und sich ganz automatisch einstellen, aber in Wirklichkeit ist sie eine riesige Herausforderung. Es ist schwer, eine Auszeit zu nehmen, aber noch schwerer fällt das Nichtstun. So gern wir es auch tun würden, wir können uns nicht einfach auf die Couch plumpsen lassen und uns “mal eben” tiefgreifend erholen. Körper und Geist schalten nicht so schnell herunter.”

In einer Studie konnte die Autorin und andere beteiligte Personen nachweisen, dass ein einwöchiger Aufenthalt in einem Retreat eine tiefgreifende Veränderung hervorruft. Alle Teilnehmer waren unerfahren im Bereich der Meditation und Neulinge auf diesem Gebiet. Die Personen wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe bekam regelmäßige Meditationspraxis vermittelt, die andere Gruppe erlebte das Retreat ebenso, bekam köstliches Essen und genoss die Umgebung – meditierte jedoch nicht. Am Ende konnte man feststellen, dass die Zellaktivität beider Gruppen nach dem Aufenthalt völlig anders war.

Es fand eine Verringerung der Entzündungsaktivitäten statt und weniger Aktivität von oxidativem Stress, der für DNA Schäden und mitochondriale Degenerationen verantwortlich ist. Dagegen nahmen autophagie-korrelierte Prozesse zu, welche sich positiv auf die Reinigung der Zellen auswirkten. Teilnehmer beider Gruppen fühlten sich zum Ende der Woche sich deutlich vitaler zu fühlen und es wurde ein Rückgang von Angstzuständen, Stress und depressiver Verstimmung verzeichnet.

Das bedeutet: Du musst nicht meditieren lernen, um wirklich entspannen zu können. Begib dich in eine schöne und entspannende Umgebung (ohne Mails und Handy) und du wirst unmittelbar eine deutliche körperliche Veränderung spüren.

“Wer sich jetzt keine Zeit für Selbstfürsorge und Tiefenentspannung nimmt, wird später gezwungen sein, sich Zeit für Krankheiten zu nehmen.”

Wir können uns jeden Tag neu dafür entscheiden einen fruchtbaren Boden für Krankheiten und frühzeitiges Alter oder die Voraussetzungen für Wohlbefinden und Verjüngung zu schaffen. Erlaube dir aufzutanken.

Mit dem Atem zur Tiefenentspannung

Zentraler Punkt einer Tiefenentspannung ist immer unser Atem. Egal ob du dich in der Natur, beim Yoga oder einem Retreat-Aufenthalt erholst. Alle diese Orte haben eines gemeinsam: Dein Atem wird langsamer und rhythmischer werden. Das passiert ganz von allein, da sich unser Körper anpasst.

Und deshalb funktioniert es auch andersherum. Wenn wir so atmen, wie es unser Körper in einem Zustand der Tiefenentspannung tut, dann signalisieren wir ihm, dass es in Ordnung ist sich auszuruhen.

Heutiger Impuls:

Beobachte dich heute selbst und versuche in dich hineinzuspüren. Wie geht es dir? Fühlst du dich gestresst? Achte auf deinen Atem. Wie ist er gerade? Wenn du bemerkst, dass du flach und hektisch atmest (= Stresssignale werden an den Körper gesendet), dann ändere das. Atme lange aus und signalisiere deinem Körper damit Sicherheit. Damit wird dein parasympathisches Nervensystem stärker aktiviert. Deine Atmung hat direkten Einfluss auf dein Gemütszustand. Die richtige Atmung kann Ängste auflösen und zu mehr Gelassenheit, Resilienz und einer positiven Einstellung beitragen.

Fülle deine Reserven auf

Ich wünsche dir heute einen entspannten Mittwoch und hoffe, du hast zwischendurch Zeit auf deine Bedürfnisse zu hören. Vielleicht gelingt es dir ja sogar bewusst auf deine Atmung zu achten oder deine Mittagspause in der Natur zu verbringen.

Falls nicht, dann plane es dir unbedingt für die nächsten Tage ein. Deine Gesundheit dankt es dir sehr.

Alles Liebe,

Petra

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