Was auf deiner Liste höchst wahrscheinlich nicht steht: Soll mich immer runtermachen, soll schlecht mit mir sprechen, soll mich daran erinnern, dass ich nichts kann, soll mir jeden Fehler unter die Nase reiben und bitte auch kein Mitgefühl zeigen.
Schreibt man sich diese Dinge einmal so auf, dann liest sich das höchst absurd. Niemand möchte solche Menschen zu Freunden haben. Wir brauchen Weggefährten, die uns beistehen, uns motivieren, ein offenes Ohr schenken und gute Worte für uns übrig haben, wenn sie uns selbst fehlen.
Doch erstaunlicherweise vergessen wir diese ganzen Attribute oft, wenn es um uns selbst geht. Wofür wir bei anderen kein Verständnis hätten, geht bei uns ganz oft problemlos klar.
Heutiger Impuls: Gibt es ein Problem, mit dem du gerade kämpfst? Fühlst du dich zum Beispiel gerade überfordert von deinem Job oder gestresst? Kämpfst du mit einer chronischen Erkrankung oder mit der Trauer um einen Lebenstraum? Stell dir nun vor, dass alles betrifft nicht dich, sondern deine beste Freundin oder deinen Freund. Was würdest du dieser Person in diesem Moment sagen? Nimm dir Zeit um deine Worte zu formulieren. Vielleicht möchtest du dir auch einen Brief schreiben? Überlege dir, welchen Trost oder welche Unterstützung die Person jetzt brauchen würde, um sich sofort ein Stück besser zu fühlen. |
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Selbstmitgefühl ist die Lösung
Während man am Selbstwertgefühl nicht so einfach herumschrauben kann, kann man Selbstmitgefühl durchaus relativ einfach trainieren. Und dieses Training lohnt sich. Selbstmitgefühl ist wie eine Art Erste-Hilfe-Koffer für die eigene Seele.
Im Gegensatz zum Selbstwertgefühl beinhaltet das Selbstmitgefühl auch keine Wertung. Es geht niemals darum, sich schön, fähig oder produktiv zu fühlen. Es geht immer darum, dass wir uns mögen wie wir sind. Wer mitfühlend ist, der braucht nämlich nicht mehr perfekt sein, um es mit sich selbst auszuhalten. Wer mitfühlend ist, der begegnet sich selbst mit Wohlwollen.
Und auch negativen Erfahrungen wie einer Krankheit oder Trennung sind für uns leichter, wenn wir selbst freundlich zu uns sind. Selbst dann, wenn wir vielleicht sogar selbst Mitschuld an dem Problem tragen. Das Selbstmitgefühl ermuntert uns jedoch, sanfter mit uns umzugehen, unsere Ziele dennoch weiter im Blick zu behalten und es beim nächsten Mal besser zu machen.
Selbstverurteilung spornt nie an. Sie macht am Ende eigentlich alles nur noch schlimmer.
In ihrem Buch “55 Fragen an die Seele” schreiben die beiden Autorinnen Prof. Dr. Tanja Michael und Corinna Hartmann (dtv Verlag) folgendes: “Die Forschung zeigt, dass selbstmitfühlende Menschen nicht nur weiter an sich arbeiten, sie verlieren sich auch weniger in destruktivem Selbstmitleid, sind hoffnungsvoller und dankbarer. Mit einem guten Freund an seiner Seite kommt man eben besser durchs Leben. Wie schön, wenn man ihn immer dabei hat.”
“Wenn du beginnst, dein Herz zu berühren oder es berühren zu lassen, dann beginnst du zu entdecken, dass es bodenlos ist, dass es keine Grenzen hat, dass dieses Herz riesig, unendlich und grenzenlos ist. Du beginnst zu entdecken, wie viel Wärme und Freundlichkeit und wie viel Platz es dort gibt.” – Pema Chödrön
Schreibt man über Selbstmitgefühl, dann kommt man nicht am gleichnamigen Buch von Kristin Neff vorbei (Ü: Gisela Kretzschmar) (kailash Verlag) und sie formuliert in ihrem umfassenden Werk so treffend, was Selbstmitgefühl bedeutet, weshalb es wichtig ist und es sich lohnt, diesen Muskel wirklich aktiv zu trainieren.
Wenn du anfängst dich selbst gut zu behandeln, deinen Körper gut zu nähren, dich um deine Seele zu kümmern, auf deine Wünsche zu hören und dir eine gute Freundin zu sein, dann wird sich vieles verändern. Neff schreibt: “Wenn wir uns selbst warme und zärtliche Gefühle entgegenbringen, verändern wir nicht nur unser Denken, sondern auch unseren Körper. Statt uns besorgt und ängstlich zu fühlen, empfinden wir Ruhe, Zufriedenheit, Vertrauen und Sicherheit. Selbstfreundlichkeit sorgt dafür, dass wir uns nicht bedroht fühlen, wenn wir auf schmerzliche Erfahrungen reagieren, sodass wir nicht mehr aus der Furch heraus handeln – und sobald wir uns sicher fühlen, können wir zuversichtlich unsere Träume verfolgen und sie auch verwirklichen.”
Die drei Muskeln hinter der Kraft des Selbstmitgefühls sind übrigens Achtsamkeit, Verbundenheit und Selbstfreundlichkeit. Und umso häufiger wir sie in schwierigen Momenten benutzen, um so stärker werden sie.
Sei gut zu dir
Ich wünsche dir einen wunderbaren Dienstag und dass du heute wahrnehmen kannst, dass du gut bist, wie du bist. Sei dir selbst eine gute Freundin, sorge dich um dich, nimm wahr, was du brauchst, lass die Pause nicht ausfallen und schenke dir Mitgefühl.
Du hast es zu jederzeit verdient. Erinnere dich immer daran: Dein Wert ist niemals abhängig von einer Leistung.
Alles Liebe,
Petra